Full text: Finanzwissenschaft

XII. Abschnitt. Ausgaben für Heer, Flotte und Krieg. 1ZZ 
manner in sehr verschiedener Weise geäußert. Auf der einen Seite 
finden wir diejenigen, die Sparsamkeit empfehlen. Colbert schreibt 
seinem Sohne: „Tenez pour maxime certaine, que celui qui suit 
la guerre ä meilleure marche est assurement superieur ä l’autre.“ 
Der französische Finanzminister Mathieu Lodet sagt folgendes: 
„Une nation, qui, en temps de paix, se ruine pour la sterile satis 
faction de faire parade d’un etat militaire et naval superieur ä 
celui qu’elle devrait avoir, se trouvera fort embarassee, la guerre 
venue, pour activer la lutte et prolonger la resistance“ (Journal 
des Economistes 1886 Mai, S. 164). Andere wieder weisen darauf 
hin, daß keine Kosten gescheut werden dürfen, um die kriegerische 
Macht auf das Höchste zu steigern. So sagt Gladstone: „If war 
or preparation for war be undertaken, they must be conducted . . . 
regardless of expenses: That war is at the end the cheapest which 
is carried through most swiftly and efficiently“ (Buxton, Finance and 
politics II, 8. 258). 
Es ist außerordentlich schwer, namentlich in Staaten, deren 
politische Stellung es erfordert, daß sie nach außen das nötige 
Prestige besitzen, jene mittlere Linie zu ziehen, welche ebenso von 
der Übertreibung der militärischen, als der ökonomisch-finanziellen 
Momente sich fernhält. Gewiß ist, daß drohende Gefahren nur 
insofern in Betracht gezogen werden dürfen, als sie nahe genug 
liegen, denn sonst wird die militärische Bereithaltung keine Grenzen 
finden. Dies ist um so wichtiger, als die Übertreibung der Heeres 
ausgaben den Verfall der Staaten nach sich zieht. Auch darf nie 
vergessen werden, daß die Kraft eines Staates im Kriege nicht 
allein auf den Soldaten beruht, nicht allein auf Schrapnell und 
Kanonen, sondern in erster Keihe auf intellektuellen und ethischen 
Prinzipien. Ein Moltke mit einem einfachen Fernrohr versehen, 
wiegt Regimenter auf. 
Jedenfalls ist es von großer Bedeutung, daß der Staat auch 
finanziell kriegsbereit sei. Die finanzielle Mobilmachung hat die 
allerhöchste Wichtigkeit. Man hat dieser auch in neuester Zeit 
größere Aufmerksamkeit zugewendet, aber der vierjährige Weltkrieg 
hat natürlich alle Voraussicht zu Schanden gemacht. So hing 
alles von der starken wirtschaftlichen Organisation, der Tragfähig 
keit des ökonomischen Gebälkes, der Opferwilligkeit und Opfer 
fähigkeit, der Stärke der Staatsidee ab. Auch jenes für die 
Wichtigkeit der finanziellen Mobilmachung herangezogene Motiv, 
es müssen im Anfang des Krieges rasch bedeutende Erfolge erzielt 
werden, die dann entscheidend sind, hat der Weltkrieg widerlegt, 
denn selbst die blutigsten Niederlagen haben bisher den Frieden
	        
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