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II. Oer Geldmarkt.
— zum Beispiel bei rascher Verdoppelung des Goldbestandes — den
Widerstand gegen straffe viskontpolitik zu sehr herauszufordern. Prin
zipielle Bedeutung kommt aber diesem Argument nicht zu. Die Zer
streuung des Goldes in die Zirkulation mit der Motivierung der Not
wendigkeit einen Teil des nationalen Goldvorrats vor den lüsternen
Augen der Nreditwerber zu verbergen mag nur in jenen Staaten
begründet sein, in denen es nicht möglich ist die Notenbank von
den Einflüssen von Industrie, Handel, Landwirtschaft und Emis
sionsbanken zu befreien,- es ist ein Eingeständnis organisatorischer Un
fähigkeit.
Zn Zeiten finanzieller Bedrängnis des Staates ist die Gold
zentralisation für die Privatwirtschaften von Nachteil, wenn der Staat
seine Bedürfnisse durch Ausgabe von Papiergeld befriedigt und es in
der Zirkulation an Geld fehlt, welches internationalen Wert besitzt-
die Verschlechterung der Staatsfinanzen äußert in solchem §a!l ihre
Wirkung auf alle Wirtschaften, da die Beschaffung von international
wertvollem Geld im Inland nur ausnahmsweise möglich ist.
§ür die Zentralisierung des Goldbestandes bei der Notenbank
spricht folgende Argumentation:
Oie Notenbank sieht sich in unsrer gegenwärtigen wirtschaft
vor den Aufgaben die Zorderungen des Auslands zu befriedigen, bei
Paniken im nationalen Verkehr zu intervenieren und in außerordent
lichen politischen Situationen, in welchen andere Mittel der Napital-
beschaffung versagen, dem Staat zu Hilfe zu kommen. Oie Erfüllung
dieser Ausgaben wird durck Goldzentralisation wesentlich erleichtert,
da die Notenbank über alles im Land vorhandene Gold verfügt und
nicht Einlösungsansprüche aus dem inneren Verkehr zu erwarten
hat. Wo die Bevölkerung an Noten gewöhnt ist, wird sie auch in
unruhigen Zeiten weniger Goldmünzen verlangen als dort wo Gold
neben der Note zirkuliert und in kritischen Zeiten erhöhtes vertrauen
gewinnt. Zn der Zeit des Balkankriegs hatten die beiden an der Nriegs-
sphäre nächstgelegenen und meistbetroffenen Reiche, Gesterreich-Ungarn
und Rußland, vornehmlich infolge der Gewöhnung der Bevölkerung
an Papiergeld, ungleich geringeren Goldbedarf als das durch die Ereig
nisse weit weniger betroffene Deutschland. Zn Ländern der Papier
zirkulation thesauriert die Bevölkerung vielfach Noten,- aber auch
wenn in solchen Tagen zeitweilig Bedarf nach Gold zu Thesaurierungs
zwecken auftreten sollte, ermöglicht der durch die Zentralisierung er
reichte große Goldoorrat leichter das hineinsenden von Gold in den
Verkehr, das das vertrauen umsomehr hebt, je weniger die Bevöl-