Full text: Finanzwissenschaft

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4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
7 Milliarden, das Volksvermögen Österreichs auf 80 Milliarden 
Kronen, das Nationaleinkommen auf 12 Milliarden. 
Es ist nicht leicht, jene Steuerkräfte zu erfassen, die im mo 
bilen Kapital ruhen. Auch hier müssen wir uns mit Annäherungs 
werten begnügen. Nach den Daten des Internationalen Institutes 1 ) 
würde sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts das mobile Ver 
mögen der größeren Staaten folgendermaßen gestalten: 
Großbritannien 182,6 Milliarden Frank 
Deutschland 92,0 
Frankreich 80,0 
Rußland 25,4 
Österreich 24,5 
Italien 17,5 
Niederlande 13,6 
Belgien 6,1 
Dänemark 2,7 
Rumänien 1,2 
Ein wichtiges Moment zur Beurteilung der zur Verfügung 
stehenden Steuerkraft ist deren bereits erfolgte Inanspruchnahme. 
Julius Wolf, der sich mit dieser Frage in einer Studie 2 ) befaßte, 
die sehr bemerkenswerte Winke bietet, kommt zu dem Resultat, 
daß die deutschen Steuerreserven viel größer sind als die Groß 
britanniens. Es berechnet sich pro Kopf das Vermögen in Eng 
land um 10, das Einkommen um 40 Prozent höher, dagegen ist 
die Steuerlast "pro Kopf um 70 Prozent höher. Das Staatsver 
mögen ist größer (vor dem Kriege) als die Staatsschuld, während 
Englands Schuld 14 Milliarden Mark beträgt, die gänzlich unpro 
duktiver Natur sind. Sowohl bei den direkten als bei den in 
direkten Steuern findet Wolf eine stärkere Reserve auf Seite 
Deutschlands, namentlich hält er Großbritanniens Reserve an di 
rekten Steuern „hart an der Grenze“. 
Nach Wolf (Handbuch der Politik II. Bd. S. 90) beträgt in 
Deutschland die Gesamtsteuerlast (Reich, Staat und Gemeinden) 
bei den kleinsten Einkommen (900—1200 Mark) 5—8 Prozent 
bei den größten Einkommen (100000 Mark) 14 „ 
Dies gilt für die Zeit vor der Reichsfinanzreform; nach dieser 
Reform glaubt Wolf annehmen zu können, daß die Tausend-Mark- 
*) Zitiert bei Benaud, Die finanzielle Mobilmachung (Leipzig 1901) 8. 88. 
2 ) Die Steuerreserven in England und Deutschland (Stuttgart 1914).
	        
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