Full text : Finanzwissenschaft

260

4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

teils  Naturalsteuern,  teils  Greldsteuern.  In  früheren  Zeiten
bildeten  die  Naturalsteuern  die  Regel,  die  Geldsteuern  die  Ausnahme, ­
  jetzt  findet  in  den  entwickelteren  Staaten  das  Gegenteil
statt.  Der  Druck  der  Geldsteuer  machte  sich  ganz  besonders  deshalb ­
  in  unentwickelteren  Zeiten  fühlbar,  weil  die  Wirtschaft  überwiegend ­
  noch  Naturalwirtschaft  war.  Noch  im  XIX.  Jahrhundert
kam  es  vor,  daß  die  für  das  Heer  bewilligten  Subsidien  in  Naturalien
festgestellt  und  geliefert  wurden.

XL  Abschnitt.
Der  Steuermonismus.

1.  Da  die  Beitragspflicht  des  Einzelnen  dem  Staate  gegenüber
auf  dessen  Leistungsfähigkeit  beruht,  so  könnte  das  Steuersystem
eine  sehr  einfache  Gestalt  erlangen,  sofern  für  diese  Leistungsfähigkeit ­
  ein  strenges,  leicht  anwendbares  Maß  zu  finden  wäre.  In
diesem  Falle  könnte  der  Staat  mit  einer  einzigen  Steuer  sein
Belang  finden.  Der  Hauptvorteil  dieses  Steuermonismus  wäre  die
Einfachheit,  die  Übersichtlichkeit,  die  Bequemlichkeit,  leichte  Durchführbarkeit ­
  usw.  Auch  hat  der  Vorwurf  keine  Berechtigung,  daß
ein  solches  System  unbedingt  sehr  bedrückend  sein  müßte.  Scheinbar ­
  lästiger  wäre  es,  weil  gegenwärtig  der  Staat  aus  verschiedenen
Steuern  schöpft,  die  Last  sich  demnach  verteilt,  während  beim  Steuermonismus ­
  die  Gesamtleistung  des  Individuums  in  einem  Betrage
zum  Ausdruck  käme,  der  Druck  sich  also  auf  einem  Punkte  konzentrieren ­
  würde;  die  Größe  des  Druckes  wäre  also  dieselbe,  vielleicht ­
  eine  geringere,  da  die  Steuerverwaltung  bei  diesem  System
eine  weniger  kostspielige  wäre  und  doch  wäre  der  Druck  ein
empfindlicher,  ähnlich  wie  wenn  der  Druck  der  Luft,  die  uns  umgibt ­
  und  von  allen  Seiten  den  Körper  erfaßt,  bloß  von  einer  Seite
zu  fühlen  wäre,  was  unerträglich  wäre.  Auch  ist  nicht  zu  leugnen,
daß  dieses  System  mit  weniger  Plackereien,  mit  weniger  Reibungen
verbunden  wäre.  Daß  die  berührte  Last  unerträglich  wäre,  läßt
sich  kaum  behaupten,  da  ja  die  Größe  derselben  sich  nicht  ändert,
nur  deren  Verteilung.  Für  die  schwächeren  Steuerkräfte  mag  die
Verteilung  der  Last  einen  Vorteil  bieten,  da  dieselben  weniger  in
der  Lage  sind,  zu  gewissen  Terminen  größere  Summen  zu  beschaffen. ­
  Nach  den  seinerzeitigen  Berechnungen  von  Leroy-Beaulieu
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.