Full text : Finanzwissenschaft

I.  Abschnitt.  Grundbegriffe.

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•sichtlich  dessen  mehr  weniger  sparsamer  Verwaltung  entweder  überhaupt ­
  nicht  oder  nur  in  geringerem  Maße  interessiert  sind.
Schon  hieraus  erklärt  es  sich,  daß  der  Privathaushalt  und  der
Staatshaushalt  an  vielen  Punkten  homogener  Natur  ist,  sowohl  hinsichtlich ­
  der  Ziele  als  der  Mittel  und  ebenso  hinsichtlich  der  Einrichtungen ­
  und  Prozesse.  Sowohl  im  staatlichen  wie  im  privaten
Haushalt  treten  Bedürfnisse  auf,  zu  deren  Befriedigung  die  Beschaffung ­
  von  Gütern  notwendig  wird.  Diese  wirtschaftliche  Fürsorge ­
  hat  sowohl  im  privaten  wie  im  staatlichen  Haushalt  gewisse
technische  Voraussetzungen,  vom  Gesichtspunkte  der  Ordnung  und
der  Kontrolle,  erfordert  gewisse  Kautelen,  Berechnungen,  Evidenzhaltung, ­
  Aufstellung  von  Voranschlägen,  Bilanzen  usw.  Sowohl  im
staatlichen  wie  im  privaten  Haushalt  können  Überschüsse  und  Defizite, ­
  Gewinne  und  Verluste  vorkommen.  Die  Anwendung  des
Prinzipes  der  höchsten  Wirtschaftlichkeit  fordert  hier  wie  dort  mit
^Rücksicht  auf  die  Zukunft  Vorsicht*und  Sparsamkeit,  fordert  zur
Sicherung  eines  günstigen  Effektes  Ordnung  und  Strenge,  fordert
vom  Standpunkte  der  Organisation  Perpetuität,  Arbeitsteilung  und
Arbeitsvereinigung,  gegenüber  Verlusten,  Schäden,  Wertverminderung
die  Prinzipien  der  Versicherung  und  der  Amortisation.  Freilich
finden  wir  auch  Unterschiede  zwischen  dem  staatlichen  und  privaten
Haushalt.  Als  solchen  betrachtete  man  lange  Zeit  die  Forderung,
daß  im  Staatshaushalt  die  Einnahmen  sich  den  Ausgaben  anschmiegen ­
  müssen,  im  privaten  Haushalt  die  Ausgaben  den  Einnahmen.
Im  Jahre  1849  wurde  in  der  französischen  Kammer  in  längerer
Debatte  beraten,  ob  im  Budget  die  Ausgaben  oder  die  Einnahmen
an  erster  Stelle  stehen  sollen.  Die  Opposition  wünschte,  es  soll  das
Budget  erst  die  Einnahmen  festsetzen.  Sie  glaubten  darin  eine
Schranke  für  die  Ausgaben  zu  finden 1 ).  In  einzelnen  Staaten  beginnt
das  Budget  mit  den  Einnahmen,  in  der  Regel  jedoch  mit  den  Ausgaben. ­
  Diese  Unterscheidung  geht  jedoch  von  einer  unrichtigen  Prämisse ­
  aus,  nämlich  daß  zur  Existenz  des  Staates  gewisse  Ausgaben
unbedingt  geschehen  müssen,  da  sonst  der  Staat  sich  auflöst.  Nun
gilt  dies  aber  auch  von  dem  einzelnen  Individuum,  denn  auch  die
Erhaltung  des  Individuums  erfordert  die  Befriedigung  gewisser
unbedingter  Lebensbedürfnisse,  ohne  welche  das  Individuum  seine
Existenz  nicht  fortsetzen  kann,  für  die  Befriedigung  dieser  Bedürfnisse ­
  muß  also  gleichfalls  unbedingt  gesorgt  werden,  dieses  Minimum
von  Einnahmen  muß  also  auch  im  privaten  Haushalt  herbeigeschafft
werden.  Der  Unterschied  würde  nur  darauf  zurückzuführen  sein,

l )  Stourm,  Le  Budget.  8.  197.
            
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