Full text: Finanzwissenschaft

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4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
Wirklichkeit, daß die ungarische Besteuerung nichts anderes ist, 
als das systemisierte Handwerk, dort zu nehmen, wo nichts ist.“ 
Das Prinzip der Allgemeinheit der Steuer hat die große poli 
tische Bedeutung, daß nur auf dieser Basis die Verschmelzung aller 
Klassen der Gesellschaft zu einer Gesellschaft möglich ist und überall 
nur im Gefolge dieses Prinzipes zur Wirklichkeit wird. 
Gegen das Prinzip der Allgemeinheit der Steuer wurde nicht 
nur dadurch gesündigt, daß eine eigentlich auf die Gesamtheit der 
Staatsbürger ausgeworfene Steuer von den privilegierten Ständen 
nicht getragen wurde, sondern auch dadurch, daß spezielle Steuern 
für einzelne Schichten der Staatsbürger eingeführt wurden, gewisser 
maßen konfessionelle und Nationalitätensteuern. Eine solche Steuer 
war die den Juden auferlegte Toleranzsteuer, die in Galizien von 
den Juden bezahlte Kerzensteuer (für jede am Samstag angezündete 
Kerze fünf Kreuzer), der in Wien eingeführte Judenzoll, welchen 
jeder jüdische Reisende bezahlte, ehe er das Gebiet der Stadt be 
trat. So waren in Ungarn nach Acsädy Steuern, die bloß die Ana 
baptisten bezahlten, in den ungarischen Städten Taxen, die die 
griechischen und serbischen Kaufleute zu zahlen hatten usw. 
Eine Verletzung des Prinzipes der Allgemeinheit erfolgt aber 
auch durch viele Vorgänge, die gerade in neuerer Zeit auf dem 
Gebiete der Besteuerung vorkommen. Die Bewilligung eines Steuer 
kontingents ist oft ein Geschenk von Hunderttausenden. Die ehemaligen 
Zuckerprämien bedeuteten das Gleiche. Die Nichtbesteuerung der 
latenten Reserven der Aktiengesellschaften ist eine weitere Ver 
letzung des Prinzipes der Allgemeinheit. Namentlich die Industrie 
barone, die Hochfinanz, die Bankokratie wird mit Steuergeschenken 
ausgezeichnet. Sie sind im Parlament, in der Presse vorzüglich 
vertreten, sie fordern und drohen, während die kleinen Steuerkräfte 
kleinlaut beigeben. Der Weltkrieg hat den Heißhunger dieser Kreise 
nur angefacht. Wir erinnern hier an die Worte Leroy-Beaulieu’s: 
„Noch immer gibt es in Frankreich — so traurig es zu sagen ist — 
Industrien, die als adelig, und andere die als bürgerlich, steuer 
pflichtig und nach Belieben lehenspflichtig betrachtet werden; den 
ersteren bewilligt man Begünstigungen; dies sind die Zucker 
raffinerien, die Baumwollwebereien und die Hochöfen. Die zweiten 
werden mit Strenge behandelt, wie Personen niedrigen Standes und 
ohne Bedeutung.“ 1 ) 
2. Die Umgestaltung des modernen Staates auf der Basis der 
Gleichberechtigung und der Idee des Rechtsstaates führte zum 
‘j Traite des finances, L, 8. 660.
	        
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