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5. Buch. Der Staatskredit.
wurden. Freilich muß auch die Produktivität der Anlehen in Betracht
gezogen werden. So hat z. B. Rußland auf die transsibirische Bahn
1334 Millionen Frank verwendet. Außerdem hat Rußland in dem
selben Zeitraum einen so bedeutenden Goldschatz angesammelt,
welcher den Betrag der im Umlauf befindlichen Noten und der
schwebenden Schuld (Tresorscheine) überstieg.
Nach der Tabelle eines englischen Statistikers betrug pro Kopf
der Bevölkerung in Pfund Sterling (vor dem Kriege):
Volks
Volks
Staats
vermögen
einkommen
schuld
Großbritannien
302
32,9
22
Frankreich
252
27,5
36
Deutschland
156
22,2
12
Rußland
61
8,5
* 7
Italien
101
11,3
18
Vereinigte Staaten
234
41,5
6
Die Staatsschuldenlast überschritt schon vor dem Weltkriege
das Verhältnis, welches als gesundes zu betrachten ist. Unserer
unmaßgeblichen Ansicht nach dürfte dieses Verhältnis nicht ein
Viertel des jährlichen Budgets überschreiten, da bei der Höhe des
Heeresbudgets nur bei diesem Verhältnis zu erreichen ist, daß der
Staat auf die übrigen Staatszwecke wenigstens ein Drittel der Aus
gabe verwenden könne. Diese unsere Ansicht nähert sich der von
Thiers, der die These aufstellte, daß die Staatsschuldenlast ein
Drittel der Ausgaben nicht überschreiten darf, da bei Überschrei
tung dieses Verhältnisses dem Staate Katastrophen entstehen können.
Optimistischer denkt Leroy-Beaulieu, der die Grenze für die Staats
schuldenlast mit 35—40 Prozent des Budgets festsetzt; überschreitet
die Grenze 45, dann ist die Lage sehr beunruhigend, bei 55—60
ist es mehr denn gewiß, daß der geringste Umstand den Staat
zwingen wird, mit seinen Gläubigern ein neues Abkommen zu
treffen.
Welche kolossale Summen schon vor dem Weltkriege der
öffentliche Kredit in Anspruch genommen hat, zeigen die Berech
nungen Neymarks, die ergeben, daß im Jahre 1908 die von Staaten,
Provinzen und Kommunen aufgenommenen Anlehen einen Betrag
von 7244,3 Millionen Franks betrugen.
Diese Zahlen lassen natürlich die kolossalen Kriegsaniehen
weit hinter sich, wie wir an anderer Stelle sehen werden.
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