Full text : Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

Geschichtlicher  Überblick

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die  Theorie  des  laisser  faire  in  ihrer  ganzen  Reinheit  entgegen.
Kein  französischer  Volkswirt  vor  ihm  hat  dieselbe  so  konsequent
durchdacht  und  so  rücksichtslos  vertreten.
Bei  D  u  n  o  y  e  r  ist  der  Freiheitsbegúft  Angelpunkt  der
Wissenschaft  und  Maßstab  von  allem  und  jeglichem  bis  ins
kleinste  Detail.  Das  gibt  seinen  Schriften  ein  eigentümliches
Gepräge  rigoroser  Einheit  in  Auffassung  und  Anlage.  Unter
der  Freiheit  versteht  Dun  o  y  er  nicht  nur  die  Beseitigung  aller
äußeren  Schranken  des  Wirtschaftslebens,  sondern  auch  das
Bezwingen  der  Natur  sowie  aller  Unwissenheit  und  Unfähigkeit
des  wirtschaftenden  Menschen  *).  Die  Freiheit  ist  dementsprechend
für  D  uno  y  er  nicht  in  erster  Linie  ein  a  priori  gegebenes
Naturgesetz,  sondern  das  Resultat  einer  historischen  Entwicklung, ­
  die  Folge  des  technischen  und  wirtschaftlichen  Fortschritts. ­
  Die  Menschheit  steigt  progressiv  zur  Freiheit,  zum
Wohlstand,  zur  Sittlichkeit  auf.  Dies  geschieht  in  mehreren
Entwicklungsstufen:  Wildheit,  Nomaden  wirtschaft,  Sklaven  wirtschaft, ­
  Leibeigenschaft,  Privilegiensystem,  Verwaltungszentralisation. ­
  Die  Entwicklung  der  Kultur  ist  das  Maß  der  Freiheit.
Der  Hauptfehler  an  Dunoyers  wirtschaftsgeschichtlicher
Fundamentierung  der  Freiheit  ist,  daß  deren  Ergebnis  durch
die  Voraussetzung  progressiver  Evolution  zur  Freiheit  vorbestimmt ­
  ist.  Dazu  kommt,  dass  die  charakteristischen  Momente
der  einzelnen  Entwicklungsstufen,  welche  er  unterscheidet,  denselben ­
  keineswegs  allein  eignen.  Endlich  ist  seine  Beweisführung
eine  recht  unvollkommene.
Den  historischen  Teil  seines  großen  Werkes  beschließt
Du  noyer  mit  einer  Idealschilderung  des  „régime  industriel“,
welches  auf  der  Schaffung  der  besten  Bedingungen  für  die  freie
Entwicklung  aller  produktiven  Kräfte  beruhen,  d.  h.  in  der
weitgehendsten  Nichtintervention  der  Staatsgewalt  ins  Wirt-Über

  Dunoyer  vgl.:  Edmond  Villey,  L’oeuvre  économique  de  Charles
Dun  oyer,  Paris  1889.
Ingram,  Geschichte  der  Volkswirtschaftslehre  (Übers.),  Tübingen  1890,
p.  229—232.
Luigi  Cossa,  Histoire  des  doctrines  économiques,  2.  Aud.,  Paris  1899,  p.  383.
Jos.  Rambaud,  Histoire  des  doctrines  économiques,  2.  Ausi.,  Paris  1902,
p.  312—313.
')  Ch.  Dunoyer,  De  la  Liberté  du  Travail,  Bd.  I,  p.  24.
            
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