Full text : Kapitalismus und Sozialismus

46

ist  natürlich  aus  einer  großen  Fabrik,  das  Blechgeschirr  und  die  Eisenwaren
erst  recht,  und  so  ging  es  fort.  Alles,  was  ich  dort  sah,  stammte  aus  großen
Fabriken,  und  da  fiel  mir  ein,  daß  diese  kleinen  Geschäfte  doch  für  diese
großen  Unternehmungen  notwendig  sind.  Die  Porzellanfabrik  zum  Beispiel
kann  doch  nicht  jeder  Hausfrau  nachlaufen,  die  einen  Topf  braucht,  und  die
.Hausfrau  hat  auch  nicht  Zeit,  wegen  jedes  Topfes  viele  Straßen  weiter  zu
laufen  bis  zur  Niederlage  der  großen  Blechgeschirrfabrik."
„Ja,  das  ist  ganz  richtig,"  entgegnete  Wilhelm:  „aber  warum  errichten
denn  dann  die  großen  Firmen  nicht  selbst  Filialen  in  allen  Straßen?
Warum  überlassen  sie  das  Geschäft  und  den  Nutzen  den  kleinen  Händlern?
lind  dann  trifft  das,  was  du  da  sagst,  doch  auf  viele  von  diesen  kleinen
Leuten  nicht  zu.  Der  Schuster  zum  Beispiel  macht  die  Schuhe,  der  Schneider
die  Kleider  selbst.  Und  schließlich  beweist  du  mit  dem,  was  du  da  sagst,  nur,
wie  notwendig  die  Kleinen  für  die  Großen  sind.  Die  wären  also  Narren,
wenn  sie  jene  auffräßen."
„Nun,  ich  denke,"  unterbrach  ich  hier  die  Debatte  der  beiden,  dir
hitzig  zu  werden  begann,  „wir  schauen  uns  zunächst  das,  was  Wilhelm  beobachtet ­
  hat,  noch  etwas  genauer  an.  Wir  können  ja'einmal  statt  hier  im
Park  auch  d.urch  die  Straßen  schlendern,  und  da  werden  wir  vielleicht  auch
Aufschluß  über  unsere  Frage  bekommen."
Wir  verließen  also  den  Tiergarten  und  bummelten  in  den  angrenzenden ­
  belebten  Straßen.  „Nun  also,"  begann  Wilhelm:  „da  schaue
nur  einmal,  an  jeder  Straßenecke  beinahe  ist  ein  Zigarrenladen."
„Ja,"  antwortete  Karl  lachetrd;  „aber  alle  gehören  drei  Firmen.  Schau
dir  doch  nur  die  Firmenschilder  an.  Ueber  all  kommen  wieder  dieselben
Namen  vor."
Wilhelm  war  etwas  ärgerlich,  daß  sein  erster  Versuch  mißglückt  war.
„Nun,  so  zähle  einmal  die  Wirtschaften  in  dieser  Straße,"  sagte  er;  „das
sind  doch  lauter  selbständige  Gewerbetreibende."
„Weißt  du  das  so  sicher?"  fragte-  ich.  „Sehen  wir  uns  einmal  die'
Schilder  an.  Hier  steht  groß  angeschrieben,  daß  man  Patzenhofer  Bier  kriegt,
dort  bekommt  man  welches  aus  der  Schultheiß-Brauerei  u.  s.  to."
„Natürlich,"  unterbrach  mich  Wilhelm  eifrig,  „kann  ein  Wirt  oft  nicht
bei  drei  oder  vier  verschiedenen  Brauereien  kaufen;  aber  deshalb  bleibt  er
doch  ein  selbständiger  Mann."
„Wenn  er  nur  von  einer  Brauerei  sein  Bier  bezieht,  dann  ist  er
doch  eigentlich  nur  der  ihr  Agent,"  antwortete  Karl.
„Jetzt  schauen  wir  aber  einmal  ein  wenig  hinter  die  Kulissen,"
sagte  ich.  „Ich  habe  eine  Zeitlang  einmal  bei  Gericht  gearbeitet,  und  da
habe  ich  eine  Menge  Prozesse  von  Brauereien  gegen  Wirte  kennen  gelernt.
Das  ist  sehr  häufig  so,  daß  die  Brauerei  irgendeinem  armen  Teufel  ein
Lokal  einrichtet.  Er  selbst  steckt  die  paar  hundert  Mark,  die  er  vielleicht
durch  jahrelange  Arbeit  erworben  und  erspart  hat,  auch  noch  ins  Geschäft
und  eröffnet  jetzt  mit  dem  Geld  der  Brauerei  und  seinem  eigenen  die  Gastwirtschaft ­
  oder  Destille.  Der  Brauerei  muß  er  aber  nicht  nur  die  Zinsen'
von  dem  geliehenen  Kapital  zahlen,  sondern  er  muß  das  Bier  bei  ihr  nehmen. ­
  Den  Preis  diktiert  natürlich  die  Brauerei,  und  über  die  Dualität
darf  er  sich  a^uch  nicht  beklagen,  denn  der  Brauereibesitzer  hat  ihn  ganz  in!
der  Hand.  So  geht  es  ein  paar  Jahre  fort,  der  Wirt  schlägt  oft  kaum  den-Lohn
  seiner  eigenen  Arbeit  und  den  seiner  Frau  und  eines  Schankburschen  s
heraus.  Manchmal  geht  es  freilich  gut,  und  dann  gelingt  es  ihm  auch,  sich

aus
auch
die  3
vielll
Brat
Zins
ridrti
etfrii
Wirt

gern
Haus
schich
men
dem
verkr
mach
Haus
sonst
und
schau
legen
ist  e
Vier;
Firn
Harz
dies
Hau«
„57.

otm
werd
oder
große
reiche
Schu
fertic
spiele
an."
wir
mein«
aber
schleck
beitet
Stoff
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.