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"^', cuie Stage leibst," entgegnete ich, „enthält schon die Antwort. Die
.^ohne tonnen eucn dann noch weiter herabgedrückt werden, wenn
autzer dem Jmnn nod) dre Frau und die Kinder zum Verdienen herangezogen
werden können. Liese Möglichkeit hat aber in größerem Maßstab erst die
L>:chchine gcschafsen.
„Hätte man, fuhr ich fort, „zum Beispiel vor hundert Jahren einem
«chmied, einem Tischler, einem Gerber oder gar einem Bergarbeiter gesagt
daß leine Arbeit von Frauen verrichtet werden würde, so hätte der nur
gelacht und gesagt: „Das ist keine Weiberarbeit, da gehört ein ganzer Mann
dazg ; heute aber sind in all diesen Industrien Frauen tätig, und wenn
ne bei uns im Bergbau unter Tag nicht arbeiten, so hindert sie daran
nur em gesebliches Verbot, das aber nicht überall gilt und nicht immer
bestanden hat. so gibt es heute fast gar keinen Beruf mehr, in den die
Frauenarbeit noch nicht eingedrungen wäre. Das, wozu früher der Mann
sondere Körperkraft aufwenden mußte, das hat zum größten Teil die
Maschine übernommen, und die kann meist von ungelernten Arbeitern von
Frauen und Kindern, bedient werden."
„Das ist doch eigentlich eine merkwürdige Sache," bemerkte Wilhelm
nach einigem Nachsinnen. „Die Maschine hat die Arbeit so viel leichter ge
macht, und dabei hat sie die Plackerei und Schinderei der Arbeiter nur
vermehrt. Das ist doch ein arger Widersinn- Wenn die Maschinen den
Arbeitern gehörten, konnten sie sich das Leben mit ihrer Hilfe doch viel an-
genehmer gestalten,'während sie so nur ihr Elend vergrößern. Darin hast
du schon ^recht; aber daß gerade die Maschine erst die Frauen- und Kinder-
arbeit möglich gemacht hat, das kann ich doch nicht recht glauben. Bei den
Schneidern die für unser Geschäft arbeiten, müssen überall die Frauen und
Kinder stark mitschanzen; sie richten vor, die Frau plättet auch oft, die Ar
beit an der Maschine macht der Mann.
Im vorigen Sommer hatte ich einmal ein paar 'Tage frei, und da
lu.hr ich zu Verwandten aufs Land in Thüringen, und dort im Dorf sah ich
wie Spielzeug gemacht wird. Da arbeitet alles mit, da greift alles zu'
selbst ganz kleine Kinder; aber Maschinen sind da sehr wenig in Gebrauch,
und die werden von den Männern bedient."
„Da hast du ganz recht," entgegnete ich. „Und dennoch ist auch diese
Frauen- und Kinderarbeit eine Folge des Maschinenwesens."
"Du meinst wohl," unterbrach mich Karl, „weil die Konkurrenz der
Maschinen ine Heimarbeiter zwingt, mit aller Kraft zu arbeiten und auch
Weib und Kind in das Arbeitsjoch zu spannen?"
„Das ist der eine Grund," erwiderte ich. „Solange es noch keine
Maschinen gab, wurdeii die Waren, die heute von den Heimarbeitern im
fürchterlichsten Elend hergestellt werden, im Handwerk erzeugt. Da war
es den Frauen meist sogar verboten, Hand anzulegen; an die Scheußlichkeit
der Kinderarbeit dachte man gar nicht. Und die Frau hatte mich sonst genug
zu tun in der Wirtschaft; sie mußte nicht nur kochen und die Wohnung in-
itani) halten, damals wurde auch das Brot zu Hause gebacken, Geflügel und
SGveine wurden gezogen, häufig besaß der Meister auch ein Stückcheii
Feld oder mindestens einen Garten, vielleicht auch ein paar Kühe. So
hatte Me Frau vollauf zu tun, aber das waren Arbeiten, die ihrer Statur
enfiprachen und gesund waren, nicht langweilige Jndustriearbeit in stickiger
Luft, stunden um Stunden, Tage um Tage. Erst die Maschine hat die
Frau aus ihrem alten Beruf, dem Haushalt, gerissen. Erst das Maschinen-