fullscreen: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Tonkunst. 
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mit den Ideen der Empfindsamkeit und des Sturmes und Dranges 
heraufzieht, und in dem wir uns noch heute befinden. Herder ist es, 
der zuerst eingehend den Gedanken eines solchen und der Haupt⸗ 
sache nach schon des Wagnerschen Gesamtkunstwerks geäußert 
hat. Seitdem ist der Gedanke nicht wieder verschwunden; sehr, 
sehr häufig haben sich ihn, ganz unabhängig voneinander, be— 
deutende Männer des 19. Jahrhunderts zu eigen gemacht; so, um 
nur ein paar Zeitgenossen und keineswegs Freunde Wagners zu 
nennen, Otto Ludwig und Friedrich Hebbel, beide in den vierziger 
Jahren, eigentlich fast noch vor Wagner. Und der zweite Teil 
von Goethes „Faust“, so wie sich ihn der Dichter als ein 
inniges Ganzes von Sing⸗-, Schauspiel- und Tanzkunst dachte: 
war er nicht eigentlich das erste Gesamtkunstwerk in deutschen 
Landen? Das Gesamtkunstwerk Wagners ist also nicht ein 
—DDDD 
eines bestimmten Zeitalters, einer Epoche. 
Gehen wir nun aber von diesem Zeitalter rückwärts in 
der deutschen Geschichte — in den Geschichten anderer Völker 
würde sich bei Vorgehen auf analogem Gebiete die Sache nicht 
anders gestalten —, so mögen wir schon lange wandern, ehe 
wir auf ein zweites Zeitalter eines gleich umfassenden Gesamt— 
kunstwerks stoßen. Dieses Zeitalter ist erst — die Urzeit. 
Gewiß: damals noch, in den Anfängen unserer beglaubigten 
Geschichte, und noch viel mehr, wie die Analogie anderer Völker 
lehrt, in den Nebeljahren der „vorgeschichtlichen“ Zeit — bei— 
läufig eines bösen Widerspruchs im Beiwort —: da gab es 
ein solches Gesamtkunstwerk, denn da hatten sich die einzelnen 
Künste noch nicht ausgelöst und herausgeläutert aus der in 
Mimik (lebendiger Bildnerei), dichterischem und musikalischem 
Vortrag zugleich bestehenden, schließlich einmal in ganz früher 
Vorzeit aus dem gemeinmenschlichen Spieltrieb heraus ent— 
standenen Urkunst. 
Freilich im übrigen welche Gegensätze zwischen dem Ge— 
samtkunstwerk von heute und dem der Urzeit! Und doch wieder, 
wenn wir näher zusehen würden, welch merkwürdige Überein— 
stimmungen! Ist es z. B. ein Zufall, daß die Schöpfungen
	        
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