Full text : München als Industriestadt

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sehr  viel  in  den  Händen  von  kleinen  Gerbern,  welche  ohne
Kalkulation  ihre  Produkte  äußerst  billig  verkaufen.  >
Trotz  allem  ist  in  München  im  Gegensatz  zu  ganz  Bayern
die  Herstellung  von  Leder  außerordentlich  stark  entwickelt.
Auch  die  Erzeugnisse  seiner  Handschuhfabrikation
stehen  heute  den  Fabrikaten  der  altbewährten  Meister  in  der
Handschuhkunst,  den  französichen  und  böhmischen  Handschuhen, ­
  nicht  mehr  nach,  sondern  haben  sich  bald  den  Weltmarkt ­
  erobert  und  sind  heute  gleichwertige  Konkurrenzprodukte
auch  des  besten  französischen  Fabrikats  geworden.  Diesen
Ruf,  ein  Hauptsitz  der  deutschen  Handschuhfabrikation  zu  sein,
verdankt  die  Stadt  München  der  in  seinem  Burgfrieden  im
Jahre  1838  entstandenen  zweitgrößten  deutschen  Handschuhmacherei, ­
  der  Hof-Handschuhfabrik  J.  Roeckl.  Es
ist  dies  eine  Großindustrie,  welche  nicht  aus  dem  zünftigen
Handwerk  hervorgegangen  ist,  obwohl  sie  aus  kleinen  Anfängen ­
  geschaffen  wurde.  Sie  ist  französischen  Ursprungs
und  wurde  von  den  französischen  Emigranten  im  17.  Jahrhundert ­
  nach  Erlangen  in  Bayern  gebracht,  wo  sich  bald  eine
Anzahl  von  Handschuhmachern  niederließ.  Etwa  1835  kam  die
Kunst  der  Handschuhherstellung  auch  nach  München  und  wurde
hier  sogleich  von  dem  Säckler  Roeckl  übernommen.  Die
heutige  Größe  aber  verdankt  die  Firma  dem  deutsch-französischen ­
  Kriege  und  weiter  dem  Fremdenverkehr  Münchens.
Als  durch  den  Krieg  Frankreich  in  den  Jahren  1870/71  vom
Weltmärkte  abgeschlossen  war,  bestellten  Engländer  und  Amerikaner ­
  ihre  Ware  zum  Teil  auch  bei  Roeckl  in  München.  Die
zur  Zufriedenheit  ausgeführte  Bestellung  eroberte  der  Firma
Roeckl  einen  ausgedehnten  Kundenkreis  im  Ausland  und  veranlaßte
  sie  mit  dem  den  Weltmarkt  noch  beherrschenden  französischen ­
  Erzeugnis  in  Konkurrenz  zu  treten,  was  ihr,  wie  wir
schon  ausführten,  gelang.  Alle  die  unzähligen  Prozesse,  die  das
Leder  vom  rohen  Fell  bis  zur  Fertigstellung  des  Handschuhes
durchzumachen  hat,  werden  hier  mittels  der  neuesten  Errungenschaften ­
  auf  maschinellem  und  chemischem  Gebiet  bewältigt
und  ermöglichen  es  der  Firma,  jährlich  etwa  500  000  bis  600  000
Paar  Handschuhe  fertigzustellen.
Die  Absatzverhältnisse  der  Firma,  welche  nur  feinere  Ware
            
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