Full text : München als Industriestadt

141

.Wenn  man  berücksichtigt,  daß  die  mehrfachen  Kontrollen
sowohl  des  Leders  während  der  Bearbeitung  als  auch  der
fertiggestellten  Handschuhe  eine  ganz  besondere  Sorgfalt  erfordern, ­
  so  ist  es  erklärlich,  daß  zu  diesen  Arbeiten  ein  zahlreiches ­
  und  gut  geschultes  Personal  nötig  ist.  Die  Fabrik  beschäftigt ­
  350—380  Gerber,  Handschuhmacher  und  Färber.
Als  Näherinnen  im  Betriebe  und  Heimarbeiterinnen  beschäftigt
die  Firma  nahezu  600  Personen.  Da  der  Betrieb  seine  Arbeiter
selbst  heranziehen  muß,  hat  er  drei  eigene  Lehrmeister,  die  je
3—4  Lehrlinge  in  der  Kunst  des  Handschuhmachens  unterweisen. ­
  Die  Lage  des  Arbeitsmarktes,  die,  wie  wir  gelegentlich ­
  der  Untersuchung  der  Vorbedingungen  für  die  Münchener
Industrien  ausführten,  eine  nicht  gerade  günstige  ist,  gestaltet
sich  noch  ungünstiger  dadurch,  daß  die  norddeutschen  Arbeiter
gewöhnt  sind,  mehr  auf  der  Maschine  zu  arbeiten  und  so  im
hiesigen  Betriebe,  der  durchaus  Handarbeit  fordert,  versagen.
Mit  ängstlicher  Sorgfalt  sucht  man  daher  die  Arbeiter  recht
lange  an  den  Betrieb  zu  fesseln  um  einen  Stock  tüchtiger
Arbeiter  zu  erhalten.  Die  Lohnverhältnisse  ergeben  sich  aus
dem  Tarif,  den  die  Firma  mit  ihrer  Arbeiterschaft  auf  die  Dauer
von  5  Jahren  abgeschlossen  hat.  Darnach  herrschen  bei  Gerbern ­
  und  Färbern  Stundenlöhne  und  nur  die  Handschuhmacher
sind  Akkordarbeiter,  da  es  bei  ihnen  auf  individuelle  Geschicklichkeit ­
  und  Fertigkeit  bei  der  Arbeit  ankommt.  Da  in
München  selbst  nur  wenig  Handschuhnäherinnen  ansässig  sind
und  auch  zu  teuer  wären,  schickt  man  die  bessere  Ware,  welche
teils  mit  der  Hand,  teils  mit  dem  sogenannten  Nähkamm  gesteppt ­
  werden  soll,  im  sogenannten  „passiven  Veredelungsverkehr“ ­
  nach  Belgien  und  Böhmen.  Dort  hat  die  feine  Handschuhnäherei ­
  ihren  Sitz  und  die  Leute  sind  von  Kind  auf  mit
dieser  Arbeit  vertraut.  Auch  gehen  wöchentlich  große  Körbe
mit  etwa  600  Dutzend  Handschuhen  nach  etlichen  kleineren
Orten  in  Sachsen,  wo  die  Arbeit  des  Nähens  von  Heimarbeiterinnen, ­
  denen  ein  Zwischenmeister  vorsteht,  übernommen ­
  wird.
Zu  den  Verarbeitungsgewerben  der  Lederindustrie  ist  auch
die  Schuh  Warenfabrikation  zu  rechnen,  welche  in
München  mit  einigen  leistungsfähigen  Betrieben  vertreten  ist.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.