Full text : München als Industriestadt

81

Die  Fabrik  verwendet  zum  Antrieb  der  Maschinen  meistens
durch  Dampf  erzeugte  Elektrizität  im  Betrage  von  300  P.  S.,
daneben  benützt  sie  etwa  100  PS  elektrischer  Kraft  vom  städtischen ­
  Elektrizitätswerk  für  einige  Spezialmaschinen.  Daß  die
Fabrik  gerade  in  München  ihren  Sitz  hat,  liegt  nicht  an  den
Arbeitslöhnen,  nicht  an  dem  vorhandenen  Arbeiterstamm.  Die
Arbeitslöhne  sind  durch  die  über  Deutschland  verbreiteten  Organisationen ­
  fast  überall  gleich  hohe.  Die  Fabrik  arbeitet  zudem ­
  mit  Akkordlöhnen.  Dadurch,  daß  sie  einen  Mindestsatz
von  60  Pfennig  einsetzt,  unter  den  ein  Arbeiter  bei  Strafe  der
Entlassung  im  Akkordlohn  nicht  sinken  darf,  sichert  sie  sich
die  geschicktesten  und  fleißigsten  Arbeiter  bei  einem  Maximalsatz ­
  von  80  Pfennig  pro  Stunde.  Das  Fabrikunternehmen  hat
den  Ruf  Münchens  als  Kunststadt  tüchtig  „ausgeschlachtet“
und  hält  sich  auch  einen  eigenen  Künstler,  der  immer  die:
neueste  Mode  in  seinen  Ornamententwürfen  berücksichtigen 1
muß.
Die  Transportverhältnisse  der  Rohmaterialien  haben  auf
den  Standort  wohl  einen  Einfluß  gehabt,  denn  der  nahe  bayerische ­
  Wald  lieferte  das  Rohholz  der  Fichte  und  aus  der  Bukowina ­
  bezog  man  die  Eichenstämme.  Die  anderen  Materialien ­
  wie  Fournierholz  und  Eisenbeschläge,  Schrankstangen,
Schrauben  kommen  aus  Hamburg  und  Rheinland  bis  Mannheim
per  Schiff  und  werden  hier  auf  die  Bahn  umgeladen.  Aus  dem
nahen  Nürnberg  bezieht  man  die  nötigen  Glasscheiben.  Um
die  teure  Kohlenfracht  nicht  tragen  zu  müssen  und  um  die
eigenen  Abfälle  zu  verwerten,  hat  das  Unternehmen  eine  Sauganlage ­
  mit  elektrischem  Antrieb  geschaffen.  Hobelspäne  und
Sägemehl  werden  durch  mächtige  Exhaustoren  von  den  Arbeitsmaschinen ­
  weg  aus  allen  Teilen  der  Holzbearbeitungsund ­
  Schreinereiwerkstätten  angesaugt  und  entweder  direkt  in
die  Feuerungen  der  Dampfkessel  für  Betriebs-  und  Heizungszwecke ­
  oder  in  eine  Spänekammer  geblasen.  Mit  diesen  Abfällen ­
  und  den  aus  der  Schreinerei  entstammenden  Holzstücken ­
  wird  die  ganze  Kesselanlage  geheizt.  Sonst  wird  kein
Feuermaterial  verwertet.
Am  meisten  hat  die  günstige  Absatzmöglichkeit  der  Fertigprodukte ­
  in  Bayern,  die  lediglich  per  Achse  befördert  werden,
fOtz,  München  als  Industriestadt.  g
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.