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Logik und Kategorienlehre. — Geulincx.
innere und wesentliche Schranke zu erkennen, die ihm gesetzt
ist. Die absoluten Gegenstände wie sie unabhängig von den Formen
und Kategorien des Denkens bestehen, bilden für Geulinex das
letzte und wahrhafte Erkenntnisziel: das eigentliche, wenngleich
ınerreichbare Ideal alles metaphysischen Wissens. Die Ver-
standesbegriffe werden somit nur in ihrer negativen Bedeutung
als eine Hülle angesehen, die wir den Dingen überwerfen und
vermöge deren ihre wahrhafte Wesenheit sich uns verbirgt.®) Der
Vergleich der gedanklichen Operationen mit den spezilischen
Empfindungen der Sinne ist in dieser Hinsicht bezeichnend. Die
positive Leistung der Grundsätze in der Ordnung und Erklärung
der Erscheinungen darzustellen, den Weg zu beschreiben, auf
lem wir von dem unmittelbaren Sinneseindruck vermöge der Me-
thoden des Denkens zum „Gegenstand“ gelangen — diese Aufgabe
hat sich Geulincx nicht gestellt. Aus diesem inneren Mangel er-
klärt sich die geringe geschichtliche Fortwirkung, die sein
Grundgedanke, trotz seiner sachlichen Bedeutung und Originalität,
gefunden hat. Geulincx selbst hat mit voller Deutlichkeit die
äusserste Grenze bezeichnet, bis zu der seine Fragestellung fort-
zuschreiten vermag. Seine Analyse geht zunächst von dem allge-
meinsten Begriffe des Seins aus; sie entdeckt auf dem Grunde
des Dingbegriffs selbst ein reines intellektuelles Verfahren,
das aus der Natur des eigenen Geistes stammt. Die „transscen-
denten Gegenstände“ wären damit als eine in sich selbst wider-
spruchsvolle Begriffsfügung erwiesen. Wenn das „Ding“ oder
das „Sein“ nur einen Modus unseres Denkens besagt — so formu-
.jert er selbst die Schwierigkeit — wenn wir beide somit aus der
Betrachtung und dem Verzeichnis der absoluten Objekte streichen
müssen: mit welchem Rechte fahren wir trotz alledem fort, von
ihnen als von „Wesenheiten“ oder „Dingen“ zu sprechen? Dem
Radikalismus dieses Problems aber vermag die Antwort, die Geu-
‚incx versucht, nicht zu genügen. Die Welt der Wirklichkeit — so er-
widert er—scheidet sich in zwei unabhängig bestehende Klassen von
Objekten: in Geister und Körper, die an und für sich mit einander
nichts gemein haben; wenn wir beide dennoch unter dem Gattungs-
begriff des „Dinges“ zusammenfassen, so ist dies nur eine äusser-
liche und abgekürzte Bezeichnung, die ihrem Inhalt Nichts hin-
zufügt, sondern nur besagt, dass Beide in gleicher Weise als „Sub-