Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Logik und Kategorienlehre. — Geulincx. 
innere und wesentliche Schranke zu erkennen, die ihm gesetzt 
ist. Die absoluten Gegenstände wie sie unabhängig von den Formen 
und Kategorien des Denkens bestehen, bilden für Geulinex das 
letzte und wahrhafte Erkenntnisziel: das eigentliche, wenngleich 
ınerreichbare Ideal alles metaphysischen Wissens. Die Ver- 
standesbegriffe werden somit nur in ihrer negativen Bedeutung 
als eine Hülle angesehen, die wir den Dingen überwerfen und 
vermöge deren ihre wahrhafte Wesenheit sich uns verbirgt.®) Der 
Vergleich der gedanklichen Operationen mit den spezilischen 
Empfindungen der Sinne ist in dieser Hinsicht bezeichnend. Die 
positive Leistung der Grundsätze in der Ordnung und Erklärung 
der Erscheinungen darzustellen, den Weg zu beschreiben, auf 
lem wir von dem unmittelbaren Sinneseindruck vermöge der Me- 
thoden des Denkens zum „Gegenstand“ gelangen — diese Aufgabe 
hat sich Geulincx nicht gestellt. Aus diesem inneren Mangel er- 
klärt sich die geringe geschichtliche Fortwirkung, die sein 
Grundgedanke, trotz seiner sachlichen Bedeutung und Originalität, 
gefunden hat. Geulincx selbst hat mit voller Deutlichkeit die 
äusserste Grenze bezeichnet, bis zu der seine Fragestellung fort- 
zuschreiten vermag. Seine Analyse geht zunächst von dem allge- 
meinsten Begriffe des Seins aus; sie entdeckt auf dem Grunde 
des Dingbegriffs selbst ein reines intellektuelles Verfahren, 
das aus der Natur des eigenen Geistes stammt. Die „transscen- 
denten Gegenstände“ wären damit als eine in sich selbst wider- 
spruchsvolle Begriffsfügung erwiesen. Wenn das „Ding“ oder 
das „Sein“ nur einen Modus unseres Denkens besagt — so formu- 
.jert er selbst die Schwierigkeit — wenn wir beide somit aus der 
Betrachtung und dem Verzeichnis der absoluten Objekte streichen 
müssen: mit welchem Rechte fahren wir trotz alledem fort, von 
ihnen als von „Wesenheiten“ oder „Dingen“ zu sprechen? Dem 
Radikalismus dieses Problems aber vermag die Antwort, die Geu- 
‚incx versucht, nicht zu genügen. Die Welt der Wirklichkeit — so er- 
widert er—scheidet sich in zwei unabhängig bestehende Klassen von 
Objekten: in Geister und Körper, die an und für sich mit einander 
nichts gemein haben; wenn wir beide dennoch unter dem Gattungs- 
begriff des „Dinges“ zusammenfassen, so ist dies nur eine äusser- 
liche und abgekürzte Bezeichnung, die ihrem Inhalt Nichts hin- 
zufügt, sondern nur besagt, dass Beide in gleicher Weise als „Sub-
	        
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