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Er begann seine Schriftstollerlaiif bahn erst 1810 und zwar
mit einer Gelegenbeitsbroschüre über „den hoben Barrenpreis
als Beweis der Entwertbung der Banknoten.” Die Erörterung
über die Gestaltung der Kornzölle veranlasste bei mehreren
publicistischen Schriftstellern die Hervorsuchung älterer und
bisher weniger beachteter Anschauungen über die Grundrente.
Nach Malthus und zwar in demselben Jahr (1815) ging auch
Ricardo auf den Gegenstand ein. Eine uinfasseudcrc Behand
lung der rein theoretischen Seite erfolgte jedoch erst in der
Ricardoschen Hauptschrift „Heber die Principien der politischen
Oekonomie und der Besteuerung”, welche 1817 und in dritter
Auflage 1821 erschien. Mau begreift, dass unter den angege
benen Verhältnissen, nachdem die Aufmerksamkeit einmal
praktisch auf die Sache gelenkt war, die neue eingehende
Erörterung ein Interesse haben musste. Hiezu kam noch, dass
unser Autor die Rententheorie gegen die Einschränkungen und
auch ein wenig gegen die Grundbesitzer dirigirte. Malthus
hatte in ganz entgegengesetztem Sinne geschlossen und sich
in diesem Punkt als specioller Anwalt dos Landadels bekundet,
was übrigens mit seiner früher gekennzeichneten Stellung
nahme vollkommen zusammenstimmte. Ricardo stand seiner
allgemeinen Denkweise nach auf der Seite der herrschenden
Classen und befand sich in dieser Beziehung mit Malthus in
einem und demselben Lager. Allein er gehörte speciell dem
Handel, d. h. einer besondern Abtheilung jenes Lagers an und
hatte mithin auch den Gegensatz zu vertreten, der die bürger
lichen Classen von dem Landadel trennte. Race und Berufs
stand wiesen ihn auf ein gewisses Maass von Opposition hin,
und so entledigte er sich einer theoretischen Aufgabe, indem
er zugleich praktisch die Richtung andeutete, in welcher die
Consequenzen der Rentenlehre den Ansprüchen des Grund
besitzes entgegenständen.
Bald nach dem Frieden von 1815 hatte sich Ricardo von
seinen Berufsgeschäften zurückgezogen. Seit 1819 war er in
das Unterhaus gelangt. Seine parlamentarische Thätigkeit ist
jedoch für uns ohne Interesse, ausser etwa dadurch, dass er
selbst brieflich eingestand, durch das Hören seiner eignen
Stimme im Parlament in Verlegenheit gesetzt zu werden und
unfähig zu sein, als Redner eine Rolle zu spielen. Seine Gclegen-
heitsschrifteu aus der frühem und spätem Zeit sind ihrem