Full text : Der Wald und seine Arbeiter

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Die  jetzigen  Tariflöhne.
Die  Kernfrage  bei  allen  Tarifabschlüssen  ist  die  Lohnfrage.  Von  der  Höhe
des  Lohnes  hängt  in  erster  Linie  die  Existenzmöglichkeit'des  Arbeiters  ab.
In  den  meisten  Forstgebieten  wird  in  Akkord  gearbeitet.  Gegen  die  Akkordarbeit ­
  hatte  sich  bei  den  Forstarbeitern,  ebenso  wie  in  andern  Bernsen,  eine
große  Abneigung  eingestellt.  Die  Abneigung  gegen  diese  Art  der  Entlohnung
hatte  ihre  Ursache  in  der  ungerechten  Verteilung  der  Arbeit.  An  vielen  Stellen
wurden  bei  der  Vergebung  der  Arbeiten  einzelne  Arbeiter  oder  Rotten  bevorzugt. ­
  Anderseits  trug  aber  auch  die  Art  der  Verrechnung  des  Lohnes  viel
dazu  bei.
Der  Akkordlohn  setzt  sich  in  der  Regel  aus  zwei  Teilen  zusammen,  und
zwar  aus  dem  Haulohn  und  dem  Rückerlohn.  Während  nun  die  Haulöhne
fast  überall  nach  einen:  bestinunten  Haulohntarif,  den  allerdings  einseitig  der
Arbeitgeber  oder  dessen  Vertreter  festsetzte,  gezahlt  wurden,  wurde  anderseits
der  Rückerlohn  willkürlich  nach  Fertigstellung  der  Arbeit  von  dem  Oberförster
nach  seinem  Belieben  festgesetzt.  Durch  die  Festsetzung  des  Rückerlohires  wurde
nach  Fertigstellung  der  Arbeit  der  Lohn  der  Arbeiter  durch  den  Oberförster
reguliert.  Sehr  oft  kam  es  vor,  daß  die  Arbeiter  um  den  Preis  ihrer  fleißige::
Arbeit  betrogen  wurden,  weil  der  Oberförster  bei  der  Schlußabrechnung  einen
ganz  niedrigen  Rückerlohn  festlegte.
Dieser  Uebelstand  ist  durch  den  Abschluß  der  Tarife  überall  beseitigt.  In
den  meisten  Tarifen  ist  ein  Haulohntarif  enthalten,  der  sowohl  die  Preise  für
Hauung  sowie  auch  den  Rückerlohn  enthält.
Wo  dieses  letztere  dicht  der  Fall  ist,  ist  eine  Bestiininung  in  den  Tarifen,
nach  welcher  der  Akkordpreis  vor  Beginn  der  Arbeit  mit  den  Arbeitern  unter
Hinzuziehung  des  Arbeiterausschusses  vereinbart  werden  muß.  Eine  andere
wesentliche  Bestimniung,  die  in  einzelnen  Tarifen,  unter  andern:  auch  in  preußischen ­
  enthalten  ist,  besagt,  daß  die  Akkorde  so  festgesetzt  werden  müssen,  daß
ein  bestimmter  Satz  über  die  festgesetzten  Stundenlöhne  verdient  werden  soll.
Unter  diesen  Bedingungen  werden  sich  die  Forstarbeiter  unter  den:  Akkordlohnsysten:
  wohler  und  freier  fühlen  als  wie  in:  Tagelohn,  wo  fortwährend
ein  Beamter  als  Aufpasser  hinter  ihnen  steht.
Natürlich  können  sich  die  Oberförster  und  die  Privatwaldbesitzer  an  diesen
neuen  Zuständen  nicht  gewöhnen.  Hier  ist  es  Aufgabe  der  Kollegen  allerorten,
ihren  Mann  zu  stehen  und  für  die  Einhaltung  des  Tarifes  zu  sorgen.  Die
schönsten  Bestimmungen,  der  Tarife  nützen  uns  nichts,  wenn  sie  nicht  eingehalten ­
  werden.  Auch  in  den  Forstbetrieben  muß  der  Arbeiter  bei  Festsetzung
seines  Lohnes  mitreden  können.  Wenn  so  gearbeitet  wird,  dann  wird  die
Akkordarbeit  nicht  zun:  Schaden,  sondern  zun:  Vorteil  der  in  der  Forst  beschäftigten ­
  Arbeiter  sein.
Tage-  oder  Stundenlöhne  sind  in  allen  Tarifen  festgelegt.  Für  die  preußischen ­
  Staatsforsten  konnten  die  Löhne  leider  nicht  bei  den  zentralen  Verhandlungen ­
  festgelegt  werden.  Die  Regierung  wollte  auf  einen  von  uns  dahingehend
gestellten  Antrag  nicht  eingehen.  Laut  Tarif  müssen  die  Löhne  in  den  einzelnen
Regierungsbezirken  mit  den  in  Frage  kommenden  Verbänden  festgesetzt  werden.
Die  angeführte  Tabelle  Seite  27  gibt  Aufschluß  über  die  Löhne  in  Preußen.
            
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