Die Gruppe als Einheit.
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gegenüber. Dahin gehört die Beeinflußbarkeit der Gruppen und
die relative Berechenbarkeit ihres Verhaltens. Steht die Gruppe
besonders hinter den höher entwickelten Individuen an Rationalität des
Verhaltens zurück, so zeigt sie doch innerhalb ihrer Irrationalität eine
zroße Berechenbarkeit und geht dabei freilich teilweise über das Indi-
viduum hinaus. Die Demagogie stellt eine besonders hoch entwickelte
und praktisch bewährte Technik dar, die Volksmassen in bestimmter
Weise zu beeinflussen. Da es dabei nur darauf ankommt der Durch-
schnittsnatur der Menschen gerecht zu werden, so läßt sich der Erfolg
bestimmter Mittel einer Beeinflussung hier viel leichter berechnen als
dem einzelnen Menschen gegenüber, sofern bei diesem persönliche Eigen-
tümlichkeiten mitsprechen, die schwerer festzustellen und zu berechnen
sind.
Weiter stimmt die Gruppe mit dem Einzelnen überein in dem
Gegensag von Oberflächen- und Tiefenmotiven bei ihrem
Verhalten und in ihren Täuschungen über die wahre Natur der treiben-
den Kräfte dabei. Der einzelne Mensch wird bei seinem Verhalten be-
kanntlich durch eine ganze Reihe von Motiven bestimmt, von denen er
selbst nur die wenigsten sich zum Bewußtsein bringt; und zwar übt er
bei dieser Selbsterkenntnis durchweg eine Auslese aus im Sinne einer
positiven Eigenbewertung: er beachtet vor allem die Motive, die in der
Richtung des Nüßlichen, Besonnenen, Vernünftigen und Edlen liegen
und täuscht sich dadurch einerseits über die Qualität seines Verhaltens,
anderseits über den Tiefencharakter der wichtigsten Motive und ihren
Zusammenhang mit dem angeborenen Triebleben. Für jede Tat des Nei-
des oder der Rachsucht z. B. wird der Täter eine plausible Erklärung vor-
bringen, die auf viel edlere Beweggründe hinweist, welche legteren selbst
im günstigen Fall im allgemeinen nur mitgesprochen haben. Ganz ähn-
lich ist der Sachverhalt bei der Gruppe. Wenn eine Nation einen Krieg
führt, gesteht sie niemals ein, ihn aus bloßem Machtwillen oder bloßer
Eroberungssucht oder aus Rachedurst unternommen zu haben, sondern
weiß stets ihr Verhalten als durchaus notwendig zu rechtfertigen, indem
sie es etwa in älteren Zeiten auf den Willen Gottes, in modernen Zeiten
auf die Unvermeidlichkeit der Abwehr oder die Notwendigkeit einer
Strafe für Rechtsverlegung zurückführt. Beim individuellen wie beim
Gruppenhandeln haben wir wesentlich denselben Sachverhalt: über den
wesenhaft wirksamen Tiefenkräften erhebt sich vielfach ein Überbau
rationeller und edler Motive oder wird wenigstens vorgetäuscht. Ohne
eine solche Ideologie lebt weder ein Volk noch ein Einzelner.
Ferner kann man von einer kollektiven Erregbarkeit und
Reizbarkeit sprechen ganz wie beim einzelnen Menschen und ebenso
von einer kollektiven Erschöpfbarkeit. Die Erfahrungen des Weltkrieges