Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Gegenstand der Wirtschaft. 
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Robinsonschicksal. In Wirklichkeit -ist die Linzelwirtschast mit 
der der anderen Volksgenossen aufs engste verbunden: durch die 
Arbeitsteilung, die den Bauern auf den Handwerker, den Kauf 
mann auf den Schiffer und wiederum jeden einzelnen auf un 
zählige andere anweist, durch Kauf und verkauf, durch die staat 
lichen Eingriffe in die Produktion und all die anderen Verbin 
dungsfäden, die uns die „gemeine Erfahrung" überall zeigt, 
hier kommen wir auf den zweiten Begriff in dem Worte Volks 
wirtschaft. Rur ist der Ausdruck „v o 1 k" für das, worauf es hier 
ankommt, nicht ganz zutreffend, sogar irreführend. Gewiß hat 
jedes in einem Staate zusammengefaßte Volk eine Gemeinfamkeit 
der wirtschaftlichen Bedingungen aufzuweisen, und in der Wirt 
schaftspolitik, die ja immer vom Staat ausgehen und ihm dienen 
muß, kommt diese Gemeinsamkeit zum scharfen Ausdruck. Im 
übrigen aber sind die Beziehungen der Einzelwirtschaft zu den 
anderen Einzelwirtschaften teils engere, teils weitere. Der Nach 
bar auf der einen Seite, die weite Welt auf der anderen be 
rühren sie bisweilen stärker als die Gesamtheit der Volksgenossen. 
Daß überhaupt die Einzelwirtschaft mit anderen in Beziehung 
tritt, ist die entscheidende Tatsache, nicht aber, wie der Kreis sich 
abgrenzt. Man spricht deshalb besser nicht von 
Volkswirtschaft und Volkswirtschaftslehre, 
sondern von Sozialökonomie und Sozialökono- 
m i k. Man könnte dafür natürlich auf gut Deutsch Gesell 
schaftswirtschaft und Gesellschaftswirt- 
fchaftslehre sagen; doch sind diese Ausdrücke nicht üblich, 
während das römiffch griechische Mischwort schon viel im Ge 
brauch ist. Der Ausdruck Volkswirtschaft ist jedoch so ein-- 
gebürgert, daß wir ihn neben jenem ruhig weiter anwenden 
können, wenn wir uns nur darüber klar sind, daß Volkswirt 
schaft oder Sozialökonomie nichts anderes ist, als die Summe 
der durch den vermehr verbundenen Einzelwirtschaften. 
Die Wirtschaft hat also ihre Wurzel einerseits in den Bedürf 
nissen der menschlichen Natur, andererseirs in der Knappheit der 
Befriedigungsmittel. Der Zweck des Mirtschaftens ist 
die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse; die, Menge der 
hierzu erforderlichen Mittel nennen wir Bedarf. Die Eigen 
schaft eines Gegenstandes, ein nienschliches Bedürfnis zu be 
friedigen, heißt Nutzen; wir vergleichen die Dinge wirtschaft 
lich nach ihrem Nutzen.
	        
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