Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Grenzen  der  Preisschwankungen.

29

vor  dieser  technischen  Entfaltung,  also  das  (8.  Jahrhundert,  oder
denken  wir  uns  in  den  „geschlossenen  lsandelsstaat"  hinein,  wie
ihn  der  Rr>eg  unserer  Anschauung  nahe  genug  gebracht  hat,  so
ist  klar,  daß  der  preis  für  Getreide  hoch  genug  sein  muß,  um  die
Produktionskosten  auch  desjenigen  Landwirtes  zu  decken,  der
unter  den  ungünstigsten  Verhältnissen  (Bodenbeschaffenheit,  verkehrslaae
  usw.)  arbeitet,  weil  er  eben  sonst  die  Produktion  einstellen
  müßte.  (Es  wäre  wohl  denkbar,  daß  man,  um  den  Aonsumenten
  diese  Belastung  aus  einer  allgemeinen  Preissteigerung
zu  ersparen,  den  unter  den  ungünstigsten  Bedingungen  arbeitenden ­
  Produzenten  einen  Staatszuschuß  zu  dem  niedrigeren  sonstigen ­
  preise  gäbe;  damit  aber  wäre  das  Gebiet  der  freien
Preisbildung  grundsätzlich  verlassen.
Lin  solches  grundsätzliches  Absehen  von  der  freien  Preisbildung ­
  können  wir  nun  in  der  Wirtschaft  nicht  selten  beobachten.
Die  pauptfälle  sind  die  des  Monopols  und  der  Taxen,  d.  h.  der
obrigkeitlich  festgesetzten  preise.  Das  M  0  n  0  P  0  l  hat  wieder
zu  pauptformen  die  Übernahme  eines  Wirtschaftszweiges  auf
den  Staat  (Tabakmonopol,  Branntweinmonopol  usw.)  oder  den
Zusammenschluß  der  Produzenten  zu  Kartellen,  die  uns  später
noch  beschäftigen  werden.  Bei  den  Taren  bleibt  die  Produktion ­
  grundsätzlich  frei,  nur  der  Preis  wird  behördlich  festgelegt,
den  der  Verkäufer  fordern  oder  der  Käufer  zahlen  muß  oder
darf.  Diese  Linflüsse  auf  den  Markt  hinterlassen  natürlich  ihre
Spuren;  aber  es  ist  doch  zu  sagen,  daß  die  Preisgestaltung  auf
die  Dauer  durch  sie  nicht  geändert  werden  kann.  Friedenserfahrung ­
  aus  der  Politik  der  Kartelle,  Kriegserfahrung  aus  der
Politik  des  Staates  haben  uns  gelehrt,  daß  die  preise  künstlich
weder  über  den  Grenznutzen  des  Käufers  gesteigert  werden
sönnen  —  sonst  hört  er  eben  auf  zu  kaufen  oder  macht  Revolution ­
  —  und  ebensowenig  unter  die  Grenzkosten  des  Produzenten ­
  gesenkt,  denn  sonst  wird  eben  die  Produktion  still  gelegt.
Die  Gesetze  der  wirtschaft  äußern  sich  mit  elementarer  Kraft.

Der  Kreislauf  der  Wirtschaft,
ie  Volkswirtschaft  hat  sich  uns  als  die  Summe  der  zur

-^Deckung  des  menschlichen  Bedarfs  aufgewendeten  Mittel  und
Veranstaltungen  gezeigt.  Ls  sind  also  zwei  wesentlich  verschiedene ­
  Gesichtspunkte,  von  denen  aus  sie  betrachtet  werden
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.