3e Die Voraussetzungen der Gütererzeugung.
den Äquator zu gehen: schon im Msten Deutschlands müssen die
Bestellungsarbeiten im Frühjahr beträchtlich später beginnen, im
Herbst früher beendigt sein als im Westen. Der Weizen gedeiht
nicht über bestimmte Höhenlagen hinaus, der wein verlangt ein
unbedingtes Mindestnratz von Sonnenbestrahlung.
So hat es sich denn auch im großen gezeigt, daß jedes Volk
von feinem Sitze seine ersten wirtschaftlichen Antriebe empfängt.
Im Gebirge und in der Steppe sitzen die Hirtenvölker, in der
fruchtbaren Ebene die Ackerbauer, am Meer Fischer und Händler.
Freilich ist die klimatischeund Höhenlage nicht allein
entscheidend; es kommt weiter die Beschaffenheit des
Bodens hinzu, wir haben ausgesprochenen Weizen- oder Aar-
toffel-, wiesen- oder Waldboden. Zwar vermögen wir durch
Meliorationen, Ent- und Bewässerungen, künstliche Düngung
einen gewissen Einfluß auf diese Bodenbeschaffenheit zu üben";
aber doch nur innerhalb verhältnismäßig enger Grenzen. Die
Natur bleibt doch die Meisterin, wenn die Mormonen in der
Salzwüste von Utah durch Bewässerung ein blühendes Land ge
schaffen haben, so konnten sie das eben nur, weil das Wasser
Loch da war; sie haben nichts getan, als die aegebenen Natur
bedingungen für die Zwecke der Wirtschaft genutzt"
Diese Verschiedenheit der Naturbedingungen kann unter Um
ständen zu schweren Störungen der Wirtschaft führen, nämlich
dann, wenn neue Länder der Nutzung durch den Menschen zu
gänglich gemacht werden, die vorher außerhalb seines Bereichs
lagen, und in benen. der Verlauf der Jahrtausende Schätze zur
direkten Inbesitznahme durch die Menschen aufgehäuft hat. Als
der Westen der vereinigten Staaten durch Eisenbahnen aufqe-
schlossen wurde, gestattete der „jungfräuliche" Boden der Prärie
eine Getreideproduktion unter so günstigen Bedingungen, daß die
alte Landwirtschaft Europas, die mit ihren Ergebnissen ein großes,
dem Boden nach und nach zur Erhöhung seiner Ertragfähigkeit
investiertes Kapitel zu verzinsen hatte, beinahe zugrunde gerichtet
wurde. Dieses reine Zehren von Bodenschätzen ohne Ersatz, dieser
Raubbau, wie man es zu nennen pflegt, erreicht freilich in
den vereinigten Staaten jetzt auch allmählich sein Ende; die Auf
wendungen für Meliorationen und Kunstdüngungen steigen, und
im gleichen Maßstab geht der natürliche Vorsprung Nordamerikas
vor den europäischen Staaten zurück.