Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

Zuteilung  importierter  Rohstoffe  unter  Gewährung  günstiger  Zahlungsbedingungen, ­
  durch  Zuweisung  von  staatlichen  Aufträgen  u.  dgl.
Auch  könnte  man  daran  denken,  für  den  Kreditbedarf  von
Industrie,  .Handel  und  Landwirtschaft,  namentlich  der  Klein--  und
Mittelbetriebe,  die  Kriegsanleihen  verpfänden  wollen,  die  Banken
heranzuziehen,  die  sonst  sich  gerne  auf  Kreditgewährung  an  die
Großindustrie  beschränken  oder  gar  die  Spekulation  finanzieren.
Die  Banken  könnten  verpflichtet  werden,  insbesondere  kleineren
Kapitalbesitzern  gegenüber,  die  nachweisen,  daß  sie  Betriebskapital
gebrauchen,  bis  zu  einem  gewissen  Betrage  ihres  gesäurten  Depositen-- ­
  und  Eigenkapitals  Kriegsanleihen  solcher  Besitzer  in  Pfand
zu  nehmen.  Entweder  kömrte  das  in  der  Weise  geschehen,  daß  von
dem  Reichsamt,  das  solche  Kreditbewilligungen  oder  Kapitalanweisungerr
  erteilt,  der  einzelne  Gewerbetreibende  einer  bestimmten
Bank  bis  zur  Grenze  der  auf  sie  entfallenden,  ihrem  eigenen  und
fremden  Kapital  entsprechenden  .Höhe  zugewiesen  wird.  Oder
es  wäre  denkbar,  daß  die  Bankeir  rnit  dem  Staat  zusammen  eine
besondere  Reichsdarlehensbank  gründen,  der  jede  Bank  entsprechende ­
  Kapitalien  zur  Verfügung  zu  stellen  hat.
Alle  derartige  Maßregeln  sollen  aber  nicht  zur  weiteren
Ausdehnung  des  Kreditwesens  in  Deutschland  dienen,  sondern ­
  solle:,  nur  die  in  Kriegsanleihe  investierten  Kapitalien  in  irgendeiner ­
  Form  wieder  für  das  Erwerbsleben  frei  machen.  Daß  es
möglich  sei,  darüber  hinaus  der  Landwirtschaft,  der  Industrie  und
den,  Lande!  große  Kredite  zur  Verfügung  zu  stellen,  vor  dieser
Auffassung  ist  enffchieden  zu  warnen.  Wir  hatten  schon  vor  dem
Kriege  in  Deuffchland  den  Kredit  in  den  verschiedensten  Richtungen
inimer  zu  stark  angespannt  und  müssen  allmählich  auf  eine  Veränderung ­
  des  nicht  erwünschten  Zustandes  hinwirken,  daß  es  möglich
  war,  sozusagen  ganz  ohne  eigenes  Kapital  ein  Gut,  ein  Mietshaus, ­
  vor  allem  auch  einen  Handelsbetrieb  zu  kaufen.  Man  sollte
sich  darüber  klar  sein,  daß  kein  volkswirffchaftliches  Interesse  darin
besteht,  jede  derartige,  nur  auf  ein  zu  weit  getriebenes  Kreditsystem
aufgebaute  Existenz  zu  erhalten.  Insbesondere  gilt  das  für  den
Handel,  bei  dem  auf  dieser  Grundlage  in  vielen  Zweigen  eine  viel
zu  starke  Übersetzung  und  Äberfüllung  eingetreten  war.  Eine  Bermindennrg
  der  Zahl  der  im  Handel  und  in  den  meisten  Leistungs--gewerben
  Tätigen  zugunsten  der  Produktion  ist  im  Interesse  der
ganzen  deutschen  Bolkswirffchaft  dringend  erwünscht.
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