Full text : Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

16

einem  Lauf,  der  über  alle  Sterne  hinausführen  könnte.
Die  große  Schranke  des  Forschers  war  bis  dahin  der
Mensch  und  sein  Denken  und  Handeln 1  gewesen:  Da
hatten  die  Geheimnisse  und  das  Unerfaßbare  oder  Geoffenbarte
  begonnen.  Und  wie  man  nun  begriff,  daß
diese  Schranke  zu  übersteigen  sei,  und  wie  man,
gleichsam  von  der  Höhe  der  erstürmten  Schanze,
Wege  erblickte,  die  tief  in  die  soziale  Welt  führen
konnten,  da  meinte  man,  daß  sich  auf  diesen  Wegen
„Alles“  erreichen  lassen  und  Alles  zur  beweisbaren
Wissenschaft  gebändigt  werden  könnte.  Dieses
„Alles“  aber  umfaßte  auch  die  Gegenstände  der  Theologie ­
  und  die  menschlichen  oder  in  irgendeinem  Sein
„absoluten“  Ideale  und  Zwecke.  Die  Kluft  zwischen
diesen  und  positiver  Wissenschaft  haben  uns  zahllose
bittere  Enttäuschungen  gelehrt;  damals  sah  man  sie
nicht,  bemerkten  Viele  überhaupt  keinen  Wesensunterschied ­
  zwischen  ihnen  und  keine  Grenzen  der
Brauchbarkeit  unseres  logischen  Werkzeugs.  So
machte  man  sich  daran,  eine  untheologische  Theologie
zu  eranalysieren  einerseits  und  Ideale  und  Zwecke
als  solche  geradeso  beweisen  'zu  wollen  wie  einen
Kausalzusammenhang  andererseits.  Da  begann  der
Ikarusflug,  der  so  schlecht  ausfiel,  so  klägliche  Resultate ­
  zeitigte.  Die  glänzenden  Gestalten  der  Mystik
und  des  Wollens  in  den  Kleidern  der  alten  Tante  Ver-1
  In  der  mittelalterlichen  Philosophie  unterschied  man  vielfach
die  Menschen  (und  reingeistige  Wesen)  als  unmittelbare  Geschöpfe
Gottes  prinzipiell  von  den  Produkten  der  Naturgesetzlichkeit,  die
nur  mittelbar  auf  einen  Schöpfungsakt  zurückgingen.  Vgl.  z.  B.
Dantes  Wendung  Paradies  III,  87:  ciö  ch’ella  (d.  h.  der  göttliche
Wille)  cria  e  che  natura  face.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.