Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

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zu werden. Aber eine Wissenschaft ist doch nicht in 
dem Sinn ein Organismus, daß sie erlahmen kann: 
Sie lebt doch nur in sich stets erneuernden Gene 
rationen! Wie also ist so etwas möglich? Auch dar 
an kann es nicht gelegen haben, daß das Gebiet der 
Sozialwissenschaften, auch nur der Methoden, des 
18. Jahrhunderts erschöpft war — denn wir sehen 
ja wie alles von Problemen und Anregungen wim 
melte. Nun, eine Richtung, „Schule“, oder Wissen 
schaft hat eben einen Altersbazillus ganz besonderer 
Art zu fürchten. Altern, siechen oder sterben kann 
sie nur auf eine Weise — nämlich dadurch, daß die 
neuen Generationen oder deren Talente sich von ihr 
abwenden. Vorhanden sind sie immer, die Talente 
sowohl wie die Aufgaben für sie. Aber die neuen 
Generationen wenden sich diesen Aufgaben und 
der vorhandenen Wissenschaft oder überhaupt der 
Wissenschaft nicht immer zu. Niemals deshalb, weil 
sie einzelne Lehrsätze dieser Wissenschaft nicht an 
nehmen könnten oder ein begründetes Urteil über 
ihre Methoden hätten — dergleichen ergibt sich erst 
nach langer Arbeit und nach langer Arbeit ist man 
dann schon verwachsen mit dem Bestehenden und 
versteht man es viel zu gut, um es jemals völlig aus- 
rotten zu wollen — sondern einfach deshalb, weil 
ihnen die ganze Sache nicht gefällt. Niemals liegt 
eine Erkenntnis einem solchen jähen Ausbrechen aus 
der bisherigen Richtung zugrunde — deshalb gibt es 
solches Ausbrechen nicht auf dem Gebiete der Natur 
wissenschaften, weil deren strenge Methoden nur 
solche mitsprechen lassen, die das Vorhandene mehr
	        
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