Full text : Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

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Soziale  Verh  ältnisse

ein.  Der  Chef  der  Polizei  der  Hauptstadt  heißt  Aga.  In  der  Regel
ist  er  der  Schirmer  der  Diebe  und  Hehler,  und  dieser  edle  Beruf
trägt  ihm  jährlich  15000—20000  Dukaten  ein.  Der  Spatar  (Schwertträger) ­
  unterhält  eine  Truppe  von  Albanesen,  um  Räuber  und  Wegelagerer ­
  zu  verfolgen.  Die  Albanesen  selbst  aber  üben  das  Räuberhandwerk ­
  aus  und  teilen  ihren  Raub  mit  dem  Spatar,  der  auf
diese  Weise  jährlich  16000  Dukaten  verdient.  Schließlich  nimmt
der  Diwan,  die  oberste  Behörde,  öffentlich  eine  Zahlung  von  jedem
Beamten  entgegen,  und  auf  diese  Weise  erzielt  der  „vistiernic“
(der  Schatzmeister)  eine  jährliche  Einnahme  von  30000  bis  40000
Dukaten.  Darum  wird  dieser  Posten  so  begehrt."  And  der  österreichische ­
  Konsul  Raicevich  vervollständigt  das  Bild  nach  der  Seite
des  Privatlebens  hin,  indem  er  berichtet:  „Die  Großmannssucht
hat  die  ganze  Bojarenklasse  ergriffen.  Jeder  Bojar  sucht  den  anderen
in  den  Schatten  zu  stellen,  und  der  kleine  bemüht  sich,  dem  großen
wenigstens  gleichzukommen.  Der  Glanz  zeigt  sich  nicht  bloß  in
dem  Äußeren  und  der  Einrichtung  der  Häuser,  sondern  ganz  besonders ­
  in  dem  Reichtum  der  Kleider,  der  Pracht  der  Juwelen,  der
Eleganz  der  von  Wien  gebrachten  Equipagen,  der  edlen  Rasse  der
Pferde»  der  kostbaren  Livree  der  Kutscher  und  der  übergroßen  Anzahl
der  Dienerschaft.  Dieser  Lurus  fördert  die  Trägheit,  zersetzt  das
Familienleben  und  begünstigt  die  leichten  Sitten;  andererseits  erregt ­
  er  ein  brennendes  Verlangen  nach  Geld  und  wieder  Geld,
das  nur  durch  Mißbrauch  des  Amtes  zu  stillen  ist."  Aber  die  Erwerbung ­
  der  Ämter  und  Würden  endlich  berichtet  die  Chronik  des
Zilot  Romänul  aus  der  Zeit  des  fanariotischen  Fürsten  Alerander
Suhu:  „Eigenartig  war  sein  Vorgang,  Bojaren  auch  durch  Urkunden ­
  zu  ernennen,  die  schließlich  feil  gehalten  und  auch  von  allerlei
Gesindel  gekauft  wurden,  wenn  es  nur  Geld  hatte.  So  kam  es,
daß  Lastträger  und  Stallknechte  zu  Bojaren  vorrückten  und  zum  allgemeinen ­
  Ärgernisse  sich  mit  dem  Titel  „Euer  Gnaden"  bedachten."
Viel  besser  wurde  es  auch  dann  nicht,  als  einige  Bojarensöhne  infolge ­
  der  besseren  Verkehrseinrichtungen  in  die  Lage  kamen,  sich
zu  ihrer  höheren  Ausbildung  nach  Paris  zu  begeben.  Die  besondere
Vorliebe  für  Paris  stammte  von  den  fanariotischen  Fürsten  her.
Fast  alle  hatten  ihre  fürstliche  Laufbahn  als  Dragomane  der  Pforte
begonnen,  und  Dragomane  waren  sie  nur  wegen  ihrer  Kenntnis
der  französischen  Sprache  geworden.  Begreiflicherweise  schätzten
sie  die  Kenntnis  dieser  Sprache  sehr  hoch  und  suchten  sie  auch  ihren
Kindern  beizubringen.  Zu  diesem  Zwecke  hielten  sie  ihnen  französische ­
  Lehrer  und  schickten  sie,  als  die  Möglichkeit  geboten  war,
auch  nach  Frankreich.  Das  Beispiel  der  Fürsten  aber  wurde,  wie
in  allem,  so  auch  in  dieser  Beziehung  von  den  Bojaren  befolgt  und
            
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