Full text : Fortschritt und Armut

Bevölkerung  und  Unterhaltsmittel.  Buch  II.

lichkeit  eine  Widerlegung  der  Theorie  liefern,  die  das  Buch  aufstellt,
denn  Malthus'  Übersicht  der  von  ihm  so  genannten  positiven  Hemmungen
der  Bevölkerung  beweist  einfach,  daß  die  von  ihm  der  Übervölkerung
Zugeschriebenen  Ergebnisse  anderen  Ursachen  entspringen.  Unter  all
den  angeführten  Fällen,  und  so  ziemlich  die  ganze  Erde  ist  dazu  herbeigezogen, ­
  in  welchen  das  Laster  und  Elend  der  Bevölkerungszunahme
dadurch  Einhalt  tun,  daß  sie  die  Heiraten  beschränken  und  das  menschliche ­
  Leben  verkürzen,  ist  kein  einziger  Fall,  in  welchem  das  Laster  und
Elend  in  seiner  Wirkung  auf  eine  wirkliche  Überhandnähme  der  Münder
über  die  Fähigkeit  der  Hände,  sie  zu  speisen,  verfolgt  werden  könnte;
vielmehr  wird  in  jedem  Falle  gezeigt,  daß  das  Laster  und  Elend  aus
Unwissenheit  und  Habgier  oder  aus  einer  schlechten  politischen  Verfassung
ungerechten  Gesetzen  oder  verheerenden  Kriegen  entspringen.
Und  was  Malthus  nicht  zu  beweisen  vermochte,  hat  auch  seit  ihm
niemand  bewiesen,  vergebens  forscht  man  auf  dem  Erdball  und  in
der  Geschichte  nach  dem  Beispiele  eines  bedeutenden  Landes*),  in
welchem  Armut  und  Mangel  füglich  dem  Druck  einer  zunehmenden
Bevölkerung  zugeschrieben  werden  könnten,  welche  Gefahren  auch
die  Möglichkeit  einer  unbegrenzten  Vermehrung  der  Menschen  haben
mag,  bisher  haben  sie  sich  noch  nie  gezeigt.  Die  Bevölkerung  sollte  stets
die  Grenzen  ihres  Unterhalts  zu  überschreiten  streben?  wie  kommt  es
dann,  daß  diese  unsere  Erdkugel,  nach  all  den  Tausenden  und,  wie  man
jetzt  glaubt,  Millionen  von  Jahren,  die  der  Mensch  auf  der  Erde  war,
noch  immer  so  dünn  bevölkert  ist?  wie  kommt  es  dann,  daß  so  viele
Stätten  menschlichen  Lebens  jetzt  verlassen  sind,  daß  einst  angebaute
Felder  jetzt  mit  Dickicht  bewachsen  sind  und  die  Tiere  ihre  Jungen  lecken,
wo  einst  geschäftige  Menschen  wimmelten?
wenn  wir  den  nach  Millionen  zählenden  Zuwachs  unserer  Bevölkerung ­
  sehen,  verlieren  wir  nur  zu  gern  aus  dem  Auge,  was  dennoch
Tatsache  ist,  daß,  soweit  wir  die  Geschichte  kennen,  die  Abnahme  der
Bevölkerung  gerade  so  gewöhnlich  ist  wie  deren  Zunahme.  Ob  die
Gesamtbevölkerung  der  Erde  jetzt  größer  sei  als  zu  irgendeiner  früheren
Zeit,  ist  eine  Spekulation,  die  nur  auf  Vermutungen  beruhen  kann.
Seit  Montesquieu  zu  Anfang  des  vorigen  Jahrhunderts  behauptete
twas  damals  wahrscheinlich  die  vorherrschende  Ansicht  war),  daß  die
Bevölkerung  der  Erde  seit  der  christlichen  Zeitrechnung  sehr  abgenommen
habe,  hat  sich  die  Einsicht  darüber  geändert.  Aber  neuere  Forschungen
und  Entdeckungen  haben  den  für  übertrieben  gehaltenen  Berichten  der
alten  Geschichtsschreiber  und  Reisenden  größere  Glaubwürdigkeit  ver*) ­

  Sch  sage  bedeutenden  Landes,  weil  kleine  Inseln  vorhanden  sein  können,  wie
Z.  B.  die  Pitcairns-tznsel,  welche,  abgeschnitten  von  dein  Verkehr  mit  der  übriqen  Welt
fund  folglich  auch  von  den  Tauschen,  die  für  die  verbesserten  Methoden  der  Produktion,
zu  denen  eine  dichter  gewordene  Bevölkerung  greift,  notwendig  sind),  als  passende  Beispiele ­
  angeführt  werden  könnten.  Lin  Augenblick  des  Nachdenkens  wird  indes  zeigen,
daß  solche  Ausnahmefälle  keine  passenden  Beispiele  sind.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.