Full text : Fortschritt und Armut

92

Bevölkerung  und  Unterhaltsmittel.

Buch  II.

einigten  Staaten  künstliche  ftügel  zerstreut  sind,  welche  eine  früher
relativ  dichte  Bevölkerung  beweisen,  und  hier  und  da,  wie  in  den  Kupferininen
  ain  Gberen  See,  sind  Spuren  höherer  Künste  vorhanden,  als
sie  den  Indianern,  init  welchen  die  Weißen  in  Berührung  kamen,  bekannt ­
  waren.
In  betreff  Afrikas  kann  kein  Zweifel  obwalten.  Das  nördliche
Afrika  kann  nur  einen  kleinen  Teil  der  Bevölkerung  enthalten,  welche  es
in  alten  Zeiten  hatte;  das  Niltal  besaß  einst  eine  unvergleichlich  größere
Bevölkerung  als  jetzt,  während  südlich  der  Sahara  nichts  eine  Zunahme
innerhalb  der  historischen  Zeit  beweist,  und  sicherlich  durch  den  Sklavenhandel ­
  eine  weitverbreitete  Entvölkerung  verursacht  wurde.
was  Asien  angeht,  das  auch  jetzt  noch  mehr  als  die  ftälfte  der  Menschheit ­
  enthält,  obgleich  es  nicht  viel  mehr  als  halb  so  dicht  wie  Europa
bevölkert  ist,  so  sind  Anzeichen  vorhanden,  daß  sowohl  Indien  als  China
dereinst  größere  Bevölkerungen  als  jetzt  enthielten,  während  jener
große  Brutplatz  der  Menschen,  aus  welchem  Schwärme  hervorgingen,
welche  beide  Länder  überzogen  und  große  Völkerwogen  über  Europa
dahinwälzten,  einst  weit  mehr  bevölkert  gewesen  sein  muß.  Die  merkwürdigste ­
  Veränderung  jedoch  hat  in  Kleinasien,  Syrien,  Babylonien
und  Persien,  kurz  in  jenen  Gegenden  stattgefunden,  welche  sich  den
erobernden  fteeren  Alexanders  unterwerfen  mußten,  wo  einst  große
Städte  und  zunehmende  Bevölkerungen  waren,  sind  jetzt  elende  Dörfer
und  unfruchtbare  wüsten.
Ls  ist  ziemlich  sonderbar,  daß  unter  all  den  aufgetauchten  Theorien
nicht  auch  eine  ausgeheckt  worden  ist,  die  eine  bestimmte  Quantität
menschlichen  Lebens  auf  der  Erde  annimmt.  Dieselbe  würde  wenigstens
besser  mit  den  historischen  Tatsachen  stimmen  als  die  einer  beständigen
Tendenz  der  Bevölkerung,  über  ihre  Unterhaltsmittel  hinauszugehen.
Ls  ist  klar,  daß  die  Bevölkerung  hier  eine  Ebbe,  dort  eine  Flut  erfahren
hat;  ihre  Mittelpunkte  haben  sich  verändert,  neue  Nationen  sind  entstanden, ­
  alte  untergegangen;  dürftig  besiedelte  Gegenden  sind  volkreich
geworden,  und  volkreiche  Gegenden  haben  ihre  Bevölkerung  verloren;
aber  soweit  wir  zurückgehen  können,  ohne  uns  ganz  in  Vermutungen
zu  verlieren,  gibt  es  keine  Beweise  beständiger  Zunahme  und  sogar
nicht  einmal  einen  klaren  Beweis,  daß  die  Menschheit  im  ganzen  sich
von  Zeit  zu  Zeit  vermehrt  habe.  Die  Pioniere  der  Völker  sind,  soweit
wir  es  beurteilen  können,  niemals  in  unbewohnte  Länder  vorgerückt  —
ihr  Gang  war  immer  ein  Kampf  mit  einem  schon  vorher  im  Besitz  befindlichen ­
  Volke;  hinter  dunkeln  Reichen,  verschwommene  Umrisse
noch  schattenhafterer  Reiche.  Daß  die  Bevölkerung  der  Erde  ihre  kleinen
Anfänge  gehabt  haben  muß,  läßt  sich  mit  Sicherheit  annehmen,  denn
wir  wissen,  daß  ein  geologisches  Zeitalter  bestand,  wo  das  Menschengeschlecht ­
  nicht  existiert  haben  kann,  und  wir  vermögen  uns  nicht  vorzustellen, ­
  daß  die  Menschen  alle  mit  einemmal  hervorkamen,  wie  etwa
aus  den  von  Kadmus  gesäten  Drachenzähnen;  doch  entdecken  wir  in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.