fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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hegegnet man hier! Jetzt wird die Instrumentationskunst, vor 
allem für die Begleitmusik zum Gesange, zum ersten Male 
überhaupt Gegenstand ernstester Studien: um sie jeder Empfin⸗— 
dung, vor allem aber allen romantischen Regungen des Ge— 
fühls dienstbar zu machen, wird zum ersten Male steigend 
die Dissonanz in den Mittelpunkt der musikalischen Satztechnik 
gestellt: es tauchen, nicht als einzelne Erscheinung, sondern 
als ständiger Ausdruck von Halbempfindungen chromatische 
Ton- und Akkordfolgen sowie weite Lagen dissonierender Klänge 
auf, und ganz allgemein werden tonale Schwankungen, wird 
rzin Mangel an tonaler Einheit bemerklich. Dabei greift die 
Entwicklung bald über die Durchbildung dieser noch einfachsten 
neuen Charakterisierungsmittel hinaus. Auch die Motive er⸗ 
fahren eine andere Behandlung; ihre mehr melodische Bildung 
hört auf; und an die Stelle tritt eine rhythmische von viel 
größerer Kürze und Bestimmtheit des Ausdruckes, bis schließlich 
schon bei Weber in zunehmender Deutlichkeit das Leitmotiv 
hervorspringt und damit eine Bildung, in welcher die Aus— 
gestaltung des Melodischen dem Sprachlich-Dichterischen so viel 
als möglich genähert erscheint. Indem nun aber all diese 
Wandlungen zusammenwirken, indem die Charakterisierungs⸗ 
kunst in Tönen durch sie wesentlich gefördert, die modula— 
torischen Kräfte der Musik gesteigert, die Rhythmik stärker 
belebt und das ganze Neue malerischen und poetischen Ab— 
sichten dienstbar gemacht wird: nimmt die Wandlung und Fort⸗ 
bildung Dimensionen an, welche weit über Gesang und Be— 
gleitung, über Lied und Oper hinaus auch auf die absolute 
Musik völlig umbildend einwirken: und als letzter der großen 
Musiker der Romantik erscheint ein auch in der Instrumental— 
musik höchst schöpferischer Meister, der in seiner Behandlung 
der Formenwelt freilich schon in weitere Entwicklungen über— 
leitet: Robert Schumann. 
Verfolgen wir nun die Entwicklung der romantischen 
Musik im einzelnen, so braucht wohl kaum noch bemerkt 
zu werden, daß sie mit der Geschichte des Liedes eröffnet 
verden muß.
	        
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