Full text : Fortschritt und Armut

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Buch  III.

Die  Gesetze  der  Verteilung.

Zinses  zusammengenommen,  soweit  die  Verteilung  unter  diese  drei
Faktoren  stattfindet.  Der  Teil  des  Produkts,  der  als  Rente  genoinnren
wird,  muß  entscheiden,  welcher  Anteil  für  Lohn  übrig  bleibt,  wo  nur
Grund  und  Boden  und  Arbeit  in  Frage  kommt,  oder  zwischen  Lohn  und
Zins  verteilt  werden  muß,  falls  Kapital  bei  der  Produktion  beteiligt  ist.
Wir  wollen  indessen  jetzt  versuchen,  jedes  dieser  Gesetze  für  sich  zu
finden.  Gewinnen  wir  sie  auf  diese  Weise,  so  müssen,  wenn  wir  sie
übereinstimmend  finden,  unsere  Schlüsse  die  höchste  Gewißheit  haben.
Und  da  die  Entdeckung  des  Lohngesetzes  der  letzte  Zweck  unsrer
Untersuchung  ist,  wollen  wir  zuerst  das  Thema  des  Zinses  aufnehmen.
Zch  habe  schon  auf  den  Unterschied  des  Sinnes  der  Ausdrücke
Gewinn  und  Zins  hingewiesen.  Ls  mag  der  Mühe  wert  sein,  hier  ferner
zu  sagen,  daß  der  Zins,  als  ein  abstrakter  Ausdruck  bei  der  Verteilung
der  Güter,  sich  von  dem  ihm  gewöhnlich  beigelegten  Sinne  darin  unterscheidet, ­
  daß  er  alle  Vergütungen  für  Kapitalnutzung  einschließt,  und
nicht  bloß  diejenigen,  die  vom  Borger  an  den  Darleiher  gehen,  und  daß
er  andererseits  eine  Vergütung  für  Risiko  ausschließt,  die  einen  so  großen
Teil  dessen,  was  gewöhnlich  Zins  genannt  wird,  ausmacht.  Die  Vergütung ­
  für  Risiko  ist  augenscheinlich  nur  eine  Ausgleichung  des  Ertrages
unter  verschiedenen  Kapitalsanlagen.  Wir  haben  zu  erforschen,  was  den
gewöhnlichen  Zinsfuß  bestimmt.  Fügt  man  dann  die  verschiedenen  Sätze
der  Vergütung  für  Risiko  hinzu,  so  ergeben  sich  die  herrschenden  Sätze
des  im  Handel  üblichen  Zinses.
Es  ist  klar,  daß  die  größten  Unterschiede  in  dem  gewöhnlich  so
genannten  Zins  Unterschieden  im  Risiko  zuzuschreiben  sind;  aber  es  ist
auch  klar,  daß  zwischen  verschiedenen  Ländern  und  verschiedenen  Zeiten
große  Veränderungen  im  eigentlichen  Zinsfuß  stattfinden.  Zn  Kalifornien ­
  würden  einst  2  Prozent  monatlich  nicht  als  übermäßiger  Zinsfuß
für  eine  Sicherheit  angesehen  worden  sein,  gegen  die  man  jetzt  zu  ?  oder
8  Prozent  jährlich  würde  leihen  können,  und  obgleich  ein  Teil  des  Unterschiedes ­
  dem  Gefühl  vermehrter  Sicherheit  zuzuschreiben  sein  mag,
so  ist  der  größere  Teil  doch  offenbar  einer  anderen  allgemeinen  Ursache
zuzuschreiben.  Zn  den  Vereinigten  Staaten  war  der  Zinsfuß  im  allgemeinen ­
  höher  als  in  England  und  in  den  jüngeren  Staaten  der  Union
höher  als  in  den  älteren;  auch  ist  die  Tendenz  des  Zinsfußes,  in  dem
Maße  zu  fallen  wie  die  Gesellschaft  vorschreitet,  scharf  ausgeprägt  und
feit  lange  bemerkt  worden,  welches  Gesetz  verknüpft  alle  diese  Veränderungen ­
  und  zeigt  ihre  Ursache?
Es  verlohnt  nicht  der  Mühe,  länger  als  bisher  schon  gelegentlich
geschehen,  bei  dem  Unvermögen  der  herrschenden  Nationalökonomie
zu  verweilen,  das  wahre  Zinsgesetz  zu  bestimmen.  Zhre  Spekulationen
über  diesen  Gegenstand  haben  nicht  die  Bestimmtheit  und  den  Zusammenhang, ­
  welche  die  Lohntheorie  in  den  Stand  gesetzt  haben,  sich  trotz  augenscheinlicher ­
  Tatsachen  zu  ha  en,  und  erfordern  nicht  die  gleiche  ausführe
liche  Prüfung.  Daß  sie  den  Tatsachen  widersprechen,  ist  offenbar.  Daß
            
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