Full text : Fortschritt und Armut

Die  Gesetze  der  Verteilung.

Buch  III.

schlechteren.  Jakob  wird  Bretter  und  einen  neuen  pobel  und  Wilhelm
28Y  Bretter  und  keinen  pobel  haben.  Und  fährt  letzterer  fort,  von  Jakob
zu  denselben  Bedingungen  zu  borgen,  ist  es  da  nicht  augenscheinlich,
daß  das  Einkommen  des  einen  nach  und  nach  abnehmen,  das  des  anderen
dagegen  zunehmen  wird,  bis  die  Zeit  kommt,  wo  Jakob  als  Resultat
des  ersten  Ausleihens  eines  Pöbels  den  ganzen  Arbeitsertrag  Wilhelms
erhalten,  d.  h.  wo  letzterer,  der  Wirkung  nach,  fein  Sklave  werden  wird?
Ist  also  der  Zins  natürlich  und  billig?  Dies  Beispiel  beweist  es  nicht,
was  Bastiat  (und  viele  andere)  als  die  Grundlage  des  Zinses  bezeichnet:
„die  dem  Werkzeuge  innewohnende  Kraft,  die  Produktivität  der  Arbeit
zu  erhöhen",  ist  weder  nach  Grundsätzen  der  Gerechtigkeit  noch  tatsächlich
die  Grundlage  des  Zinses.  Der  Trugschluß,  welcher  denen,  die  sich  nicht
die  Mühe  geben,  es  zu  zergliedern,  Bastiats  Beispiel  als  überzeugend
erscheinen  läßt,  liegt  darin,  daß  sie  mit  dem  Ausleihen  des  Hobels  den
Gedanken  einer  Übertragung  größerer  Produktionskraft,  die  ein  pobel
der  Arbeit  gibt,  verbinden.  Eine  solche  ist  aber  in  Wirklichkeit  nicht  darin
eingeschlossen.  Das  wesentliche  Ding,  das  Jakob  an  Wilhelm  verlieh,
war  nicht  die  vermehrte  Macht,  welche  die  Arbeit  durch  den  Gebrauch
von  pöbeln  erwirbt.  Um  dies  anzunehmen,  müßten  wir  voraussetzen,
daß  die  Anfertigung  und  der  Gebrauch  derselben  ein  Geheimnis  oder
ein  Patentrecht  war,  womit  das  Beispiel  in  den  Bereich  des  Monopols,
nicht  des  Kapitals,  fiele.  Das  wesentliche  Ding,  das  Jakob  dem  Wilhelm
lieh,  war  nicht  das  Vorrecht,  seine  Arbeit  in  einer  wirksameren  weise
anzuwenden,  sondern  der  Gebrauch  des  konkreten  Ergebnisses  einer
zehntägigen  Arbeit,  wäre  „die  den  Werkzeugen  innewohnende  Macht,
die  Produktivität  der  Arbeit  zu  vermehren,"  die  Ursache  des  Zinses,
dann  würde  der  Zinsfuß  mit  dem  Fortgänge  der  Erfindungen  steigen.
Dies  ist  jedoch  nicht  so;  auch  wird  man  von  mir  nicht  mehr  Zinsen  beanspruchen, ­
  ob  ich  nun  eine  Nähmaschine  zu  so  Dollars  oder  für  so  Dollars
Nadeln,  ob  ich  eine  Dampfmaschine  oder  einen  pausen  Mauersteine
im  gleichen  werte  borge.  Das  Kapital  ist,  gleich  den  Gütern,  austauschfähig. ­
  Es  ist  nicht  ein  und  dasselbe  Ding;  es  ist  alles  und  jedes,  was  innerhalb ­
  der  Austauschkreises  denselben  wert  hat.  Auch  vermehrt  die  Verbesserung ­
  der  Werkzeuge  die  reproduktive  Kraft  des  Kapitals  nicht
wohl  aber  die  produktive  Kraft  der  Arbeit.
Und  ich  möchte  glauben,  daß,  wenn  alle  Güter  aus  solchen  Dingen
wie  pöbeln  beständen,  und  alle  Produktion  eine  ähnliche  wäre,  wie  die
der  Zimmerleute,  d.  h.  wenn  die  Güter  nur  aus  den  unfertigen  Stoffen
der  Erde  und  die  Produktion  nur  darin  bestände,  dieselben  in  verschiedenste
formen  umzugestalten,  der  Zins  nur  ein  Raub  an  der  Erwerbstätigkeit
wäre  und  nicht  lange  bestehen  könnte.  Dies  will  nicht  sagen,  daß  dann
keine  Ansammlung  stattfände;  denn  obschon  die  pofsnung  auf  Zunahme
ein  Beweggrund  ist,  um  Güter  in  Kapital  umzuwandeln,  so  ist  sie  doch
nicht  der  Beweggrund,  wenigstens  nicht  der  hauptsächlichste  Beweggrund
für  die  Anhäufung.  Kinder  werden  ihre  Pfennige  für  Weihnachten
            
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