Full text : Fortschritt und Armut

Im ­

materieller  Fortschritt  und  Verteilung.

Buch  IV.

Verhältnis,  wie  die  Erfahrung  lehrt,  mit  dem  Fortschritt  der  Gesellschaft
sich  vergrößert.
Da  ich  jedoch  bald  zu  einer,  bisher  noch  unerörterten  Ursache  gelangen
werde,  die  beständig  dabin  wirkt,  die  Anbaugrenze  zu  verengern,  die
Steigerung  der  Rente  zu  fördern  und  sie  selbst  über  das,  durch  die  wirkliche ­
  Anbaugrenze  festgesetzte  Maß  hinauszutreiben,  so  verlohnt  es  nicht
der  Mühe,  diese  Störungen  in  der  sinkenden  Bewegung  der  Anbaugrenze
und  in  der  steigenden  Bewegung  der  Rente  in  Betracht  zu  ziehen.  Alles,
was  ich  klar  zu  machen  wünsche,  ist,  daß  auch  ohne  eine  Bevölkerungszunahme ­
  der  Fortschritt  der  Erfindungen  beständig  dahin  wirkt,  ein
immer  größeres  Verhältnis  des  Produkts  den  Grundbesitzern  und  ein
kleineres  der  Arbeit  und  dem  Kapital  zuzuwenden.
Und  da  wir  den  Fortschritten  der  Erfindung  keine  Grenzen  stecken
können,  so  können  wir  auch  der  Rentenerhöhung  keine  Grenzen  stecken,
außer  in  der  Gesamtproduktion.  Denn  wenn  die  arbeitersparenden
Erfindungen  so  weit  gingen,  bis  Vollkommenheit  erreicht  und  zur  Produktion ­
  von  Gütern  Arbeit  überhaupt  nicht  mehr  erforderlich  wäre,  dann
könnte  alles,  was  die  Erde  erzeugt,  ohne  Arbeit  gewonnen  werden,  und
die  Anbaugrenze  würde  auf  Null  sinken.  Lohn  und  Zins  würde  es  nicht
mehr  geben,  und  die  Rente  würde  alles  nehmen.  Denn  da  die  Grundbesitzer
ohne  Arbeit  alle  Güter,  die  von  der  Natur  zu  erlangen  sind,  erhalten
könnten,  so  würde  weder  für  Arbeit  noch  Kapital  Verwendung  und  auch
keine  Möglichkeit  für  sie  vorhanden  sein,  sich  irgendeinen  Anteil  der
produzierten  Güter  zu  erzwingen.  Und  gleichviel  wie  groß  oder  klein
die  Bevölkerung  wäre,  falls  überhaupt  noch  jemand  außer  den  Grundbesitzern ­
  existierte,  würde  er  von  der  Laune  oder  der  Gnade  der  Grundbesitzer ­
  abhängen,  er  würde  entweder  zum  Vergnügen  der  Grundbesitzer
oder  als  Unterstützungsbedürftiger  durch  ihre  Gnade  erhalten  werden.
Dieser  Punkt  der  absoluten  Vollkommenheit  arbeitersparender
Erfindungen  mag  sehr  entfernt,  wo  nicht  unmöglich  zu  erreichen  scheinen,
aber  es  ist  ein  Punkt,  zu  dem  der  Gang  der  Erfindungen  Tag  für  Tag
stärker  hinstrebt.  Und  in  dem  Dünnerwerden  der  Bevölkerung  in  den
Ackerbaudistrikten  Großbritanniens,  wo  kleine  Güter  in  große  umgewandelt ­
  werden,  sowie  in  den  großen,  mit  Maschinen  bearbeiteten
Weizenfeldern  Kaliforniens  und  Dakotahs,  wo  man  meilenweit  durch
wallende  Kornfelder  reiten  kann,  ohne  eine  menschliche  Wohnung  zu
sehen,  finden  sich  schon  Anzeichen  des  schließlichen  Zustandes,  dem  die
ganze  zivilisierte  Welt  entgegeneilt.  Der  Dampfpflug  und  der  Maschinenmäher ­
  errichten  in  der  modernen  Welt  Latifundien  derselben  Art,  wie
es  die  Einführung  der  Sklaven,  wozu  die  Kriegsgefangenen  gemacht
wurden,  im  alten  Italien  tat.  Und  manchem  armen  Burschen,  der  so
aus  seiner  gewohnten  Stätte  gestoßen  und  vertrieben  wird  —  wie  die
römischen  Bauern  genötigt  wurden,  sich  dem  Proletariat  der  großen
Stadt  anzureihen  oder  ihr  Blut  für  Brot  in  den  Reihen  der  Legionen
zu  verkaufen  —,  will  es  bedünken,  daß  diese  arbeitersparenden  Erfin-
            
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