Full text: Fortschritt und Armut

Kap. I. 
Die Unzulänglichkeit der gewöhnlich empfohlenen Heilmittel. 
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der stärksten Kräfte des industriellen Fortschritts ist. Wären die künst 
lichen Pläne, alles und jedes zu regulieren und für jeden einen Platz zu 
finden, ausführbar, so würden wir einen Zustand der Gesellschaft haben,., 
ähnlich dein des alten Peru, oder denrjenigen, den, zu ihrer ewigen 
Ehre, die Jesuiten in Paraguay einrichteten und solange aufrecht er 
hielten. 
Ich will nicht sagen, daß ein solcher Zustand nicht besser sei, als 
der, dem wir jetzt entgegen zu treiben scheinen; denn im alten Peru gab 
es, obgleich die Produktion infolge des Mangels an Eisen und bsaus- 
tieren mit den größten Nachteilen zu kämpfen hatte, doch kein solches 
Ding wie Not, und das Volk ging mit Gesängen an die Arbeit. Dies ist 
jedoch unnütz, zu erörtern. Die moderne Gesellschaft kann einen derartigen 
Sozialismus nicht mit Erfolg erstreben. Die einzige Kraft, die dies jemals 
vermocht hat, ein starker religiöser Glaube, ist uns abhanden gekommen 
und verschwindet täglich mehr. Den Sozialismus des Stammeslebens 
haben wir hinter uns und können nicht wieder dahin zurück, ohne einen 
Rückschritt zu tun, der Anarchie und vielleicht Barbarei involvieren 
würde. Unsere Staaten würden offenbar an dem Versuche zugrunde 
gehen. Anstatt einer verständigen Abwägung von pflichten und Rechten 
würden wir eine römische Verteilung sizilianischen Kornes haben, und 
der Demagoge würde bald Kaiser sein. 
Das Ideal des Sozialismus ist groß und edel, und er ist, wie ich 
überzeugt bin, ausführbar, aber ein derartiger Gesellschaftszustand 
kann nicht gemacht werden, sondern er muß entstehen. Die Gesellschaft, 
ist ein Organismus, keine Maschine. Sie kann nur durch das individuelle 
Leben ihrer Teile leben. Und in der freien und natürlichen Entwicklung 
aller Teile wird sich die Harmonie des Ganzen Herstellen. Alles, was für 
die soziale Wiedergeburt nötig ist, ist in dem Motto enthalten: „Land 
und Freiheit!" 
6. Von einer allgemeineren Verteilung des Grund und 
Bodens. 
Die Ahnung, daß die Grundeigentumsverhältnisse irgendwie mit 
dem sozialen Elend zusammenhängen, wie sie sich in den fortgeschrit 
tensten Ländern kundgibt, gewinnt immer mehr an Boden; allein 
bisher gibt sich diese Ahnung meist nur in Vorschlägen kund, die auf 
eine allgemeinere Verteilung des Grundbesitzes zielen — so in England 
in den Forderungen des Freihandels in Land, des Pachtrechts oder der 
gleichen Verteilung des Grundbesitzes unter den Erben; in den ver 
einigten Staaten in der Forderung, daß der Umfang des Linzelbesitzes 
beschränkt werde. In England hat man auch vorgeschlagen, der Staat, 
solle die Grundbesitzer auskaufen, und in den vereinigten Staaten, der 
Staat solle Geld bewilligen, um die Errichtung von Kolonien auf öffent 
lichen Ländereien zu ermöglichen. Den ersteren Vorschlag wollen wir
	        
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