Kap. II.
über die Wirkung auf die Verteilung und Produktion.
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Kapitel II.
Über die Wirkung auf die Verteilung und von da auf die
Produktion.
So groß sie daher auch erscheinen mögen, können die Vorteile
einer Übertragung aller öffentlichen Lasten auf eine Grundsteuer doch
nicht völlig gewürdigt werden, bis wir die Wirkung auf die Güter
verteilung betrachten.
Den Grund der ungleichen Güterverteilung, die in allen zivili
sierten Ländern hervortritt und immer größer wird, je mehr der materielle
Fortschritt vorschreitet, haben wir in dem Umstande gefunden, daß der
jetzt in privaten fänden befindliche Grundbesitz mit steigender Zivili
sation eine immer größere Macht verleiht, sich die von der Arbeit und
dem Kapital erzeugten Güter anzueignen.
Die Arbeit und das Kapital von aller Besteuerung, direkter wie
indirekter, zu befreien und die Last auf die Rente zu werfen, würde
daher in dem Maße, wie es geschähe, jener Tendenz zur Ungleichheit
entgegenwirken und, wenn man die ganze Rente als Steuer einforderte,
die Ursache der Ungleichheit gänzlich beseitigen. Anstatt wie jetzt Un
gleichheit zu verursachen, würde die Rente dann die Gleichheit befördern.
Arbeit und Kapital würden dann den ganzen Ertrag erhalten, minus
den vom Staate in der Besteuerung der Landwerte genommenen An
teil, welcher, zu öffentlichen Zwecken verwendet, sich unter da- Publikum
gleichmäßig verteilen würde.
Das heißt, die in jedem Staate produzierten Güter würden in
Zwei Teile zerfallen; der eine Teil würde je nach dem von jedem an
dem Produktionswerke genommenen 2tnieil an Löhnen und Zinsen
unter die einzelnen Produzenten verteilt werden; der andere Teil
würde vollständig an den Staat kommen, um zum öffentlichen vorteil
an alle seine Mitglieder verteilt zu werden, hieran würden alle gleichen
Teil haben, der Schwache und der Starke, junge Kinder und hinfällige
Greise, die Krüppel, die Lahmen und die Blinden so gut wie die Gesunden.
Und dies mit Recht; denn während der eine Anteil das Ergebnis indivi
dueller Anstrengung bei der Produktion darstellt, stellt der andere die
vermehrte Kraft dar, womit das Gemeinwesen als Ganzes den einzelnen
unterstützt.
Da nun der materielle Fortschritt darauf hinwirkt, die Rente zu
steigern, so würde, falls dieselbe durch den Staat zu gemeinschaftlichen
Zwecken eingezogen würde, gerade die Ursache, welche jetzt darauf
hinwirkt, eine dem steigenden materiellen Fortschritt entsprechende
Ungleichheit zu erzeugen, nun immer größere Gleichheit herstellen.
Unr diese Wirkung völlig zu begreifen, wollen wir zu den früher ent
wickelten Prinzipien zurückkehren.
Deorge, Fortschritt und Armut. 2\