Full text : Fortschritt und Armut

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Die  Wirkungen  des  Heilmittels.

Buch  IX.

wir  haben  gesehen,  daß  die  Löhne  und  Zinsen  überall  durch  die
Renienlinie  oder  Grenze  des  Anbaues  bestimmt  werden  müssen,  d.  h.
durch  die  Belohnung,  welche  die  Arbeit  und  das  Kapital  auf  Land
erzielen  können,  für  welches  keine  Grundrente  bezahlt  wird;  daß  die
gesamte  Gütersumme,  welche  die  in  der  Produktion  beschäftigte  Summe
von  Arbeit  nnd  Kapital  erhält,  die  Summe  (oder  vielmehr,  wenn  wir
die  Steuern  berücksichtigen,  der  Nettobetrag)  der  erzeugten  Güter
minus  des  als  Rente  Eingezogenen  sein  wird.
Wir  haben  gesehen,  daß  bei  einem  materiellen  Fortschritte  nach
dem  jetzigen  Maßstabe  eine  zweifache  Tendenz  zur  Steigerung  der
Rente  besteht.  Sie  bewirkt  sowohl  die  Zunahme  des  auf  die  Rente
entfallenden  Teiles  der  erzeugten  Güter,  als  auch  die  Abnahme  des
auf  Lohn  und  Zins  entfallenden  Teiles.  Aber  die  erstere  oder  natürliche, ­
  aus  den  Gesetzen  der  sozialen  Entwicklung  hervorgehende  Tendenz
ist  auf  die  quantitative  Steigerung  der  Rente  gerichtet,  ohne  Lohn
und  Zins  quantitativ  zu  vermindern,  ja  sie  kann  sogar  dieselben  quantitativ
erhöhen.  Die  andere,  aus  der  unnatürlichen  Aneignung  des  Grund
und  Bodens  durch  den  privatbesitz  hervorgehende  Tendenz  ist  auf  die
quantitative  Vermehrung  der  Rente  durch  die  quantitative  Verminderung
der  Löhne  und  Zinsen  gerichtet.
Nun  ist  es  klar,  daß  die  mit  der  Abschaffung  des  Privatgrundbesitzes ­
  gleichbedeutende  Einziehung  der  Rente  als  Steuer  für  öffentliche ­
  Zwecke  darauf  hinausgehen  würde,  die  Tendenz  auf  eine  absolute
Verminderung  der  Löhne  und  Zinsen  dadurch  zu  beseitigen,  daß  sie  die
spekulative  Monopolisierung  des  Grund  und  Bodens  und  die  spekulative
Steigerung  der  Rente  beseitigt.  Sie  würde  darauf  hinwirken,  die  Löhne
und  Zinsen  ganz  bedeutend  zu  steigern,  die  jetzt  monopolisierten  Vorteile ­
  der  Natur  zu  erschließen  und  den  preis  des  Bodens  herabzusetzen.
Arbeit  und  Kapital  würden  so  nicht  nur  gewinnen,  was  ihnen  jetzt  an
Steuern  abgenommen  wird,  sondern  sie  würden  auch  durch  die  positive
Herabsetzung  der  Rente  infolge  des  Sinkens  der  spekulativen  Landwerte
gewinnen.  Lin  neues  Gleichgewicht  würde  sich  Herstellen,  bei  dem  der
gewöhnliche  Satz  der  Löhne  und  Zinsen  viel  höher  als  jetzt  sein  würde.
Wäre  dies  neue  Gleichgewicht  hergestellt,  so  würden  weitere  und
sehr  beschleunigte  Fortschritte  in  der  Produktionskraft  die  Rente  noch
ferner  steigern,  nicht  auf  Kosten  der  Löhne  und  Zinsen,  sondern  durch
neue  Gewinne  bei  der  Produktion,  welche,  da  die  Rente  durch  den
Staat  zu  öffentlichem  Nutz  und  Frommen  eingezogen  wäre,  jedem
Mitglieds  desselben  zum  Vorteil  gereichen  müßten.  Ze  nachdem  also
das  materielle  Gedeihen  fortschritte,  würde  sich  die  Lage  der  Massen
beständig  verbessern.  Nicht  bloß  eine  Klasse  würde  reicher  werden,
sondern  alle;  nicht  bloß  einer  Klasse  würde  mehr  von  den  Notwendigkeiten, ­
  Annehmlichkeiten  und  den  Verschönerungen  des  Lebens  zuteil
werden,  sondern  alle  würden  mehr  davon  haben.  Denn  die  zunehmende
Produktionskraft,  welche  sich  mit  der  vergrößerten  Bevölkerung,  mit
            
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