Kap. IV.
339
Einfluß auf die soziale Organisation.
Linien war oft ein scharf hervortretender Unterschied zwischen den
Manieren der Zwischendecks- und Kajütenpassagiere, durch welchen
dieser Zug der inenschlichen Natur illustriert wird. Überfluß an Speisen
war für die einen wie für die anderen vorhanden, nur war iin Zwischen
deck die Bedienung schlecht, und man riß sich daher um die Mahlzeiten.
)n der Kajüte dagegen, wo jeder seinen Platz hatte und niemand be
sorgte, nicht genug zu bekommen, riß man sich nicht um die Speisen,
und es kam nichts um wie im Zwischendeck. Der Unterschied lag nicht
im Charakter der Leute, sondern einfach an dem angeführten Umstande.
Wären die Kajütenpassagiere ins Zwischendeck versetzt worden, so würden
sie an dem gierigen Gedränge teilgenommen haben, und wären die
Zwischendeckspassagiere in die Kajüte versetzt worden, so würden sie
sofort höflich und ordentlich geworden sein. Der gleiche Unterschied
würde sich in der Gesellschaft im allgemeinen zeigen, wenn die gegen
wärtige ungerechte Güterverteilung durch eine gerechte ersetzt wäre.
Man betrachte dies Vorhandensein einer kultivierten und verfeinerten
Gesellschaft, in welcher alle roheren Leidenschaften nicht durch Gewalt,
nicht durch Gesetz, sondern durch die öffentliche Meinung und den
gegenseitigen Wunsch zu gefallen im Zaum gehalten werden. Wenn dies
für einen Teil der Gesellschaft möglich ist, so ist es auch für die ganze
Gesellschaft möglich. Ls gibt Gesellschaftszustände, in welchen jeder
bewaffnet sein muß, jeder sich in Bereitschaft zu halten hat, Person und
Eigentum mit starker Hand zu verteidigen, wenn wir dies überwunden
haben, können wir auch noch anderes erreichen.
Man kann jedoch einwenden, daß mit der Verbannung des Mangels
und der Furcht vor demselben der Antrieb zur Anstrengung zerstört
werden würde; die Menschen würden einfach Müßiggänger werden,
und solch ein glücklicher Zustand allgemeiner Wohlfahrt und Zufrieden
heit würde der Tod des Fortschritts sein. Dies ist das Argument der
alten Sklavenbesitzer, daß die Menschen nur mit der Peitsche zur Arbeit
getrieben werden können. Nichts ist unwahrer.
Der Mangel könnte verbannt werden, aber die wünsche würden
bleiben. Der Mensch ist das nie zufriedene Tier. Lr hat erst angefangen
Zu forschen und das Weltall liegt vor ihm. Zeder Schritt, den er macht,
eröffnet neue Ausblicke und entzündet neue Begierden. Er ist das auf
bauende Tier; er baut, er verbessert, er erfindet und setzt zusammen,
und je Größeres er tut, um so Größeres möchte er tun. Lr ist mehr als
^in Tier, wie beschaffen auch die Intelligenz sein mag, die die Natur
durchatmet, zu ihrem Ebenbilds ist der Mensch geschaffen. Das von seinen
pochenden Maschinen durch das Meer getriebene Dampfschiff ist in seiner
^rt, wenn auch nicht in demselben Grade, so gut eine Schöpfung wie
der Walfisch, der darunter schwimmt. Das Teleskop und das Mikroskop,
sind sie als Zusatzaugen, die der Mensch für sich hergestellt hat;
w weichen Gewebe und schönen Farben, in welche unsere Frauen sich
eiden, entsprechen sie nicht dem Gefieder, welches die Natur dem
22*