Kap. I.
Die herrschende Theorie des menschlichen Fortschrittes.
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diese Frage entweder noch nicht definitiv erledigt oder sie hat einer An
sicht Entstehung oder vielmehr Zusammenhang gegeben, die mit den
Tatsachen nicht übereinstimmt. j3 j
Die gewöhnliche Erklärung des Fortschrittes hat meines Dafür
haltens sehr viel Ähnlichkeit mit der Ansicht, die der Geldmensch von
den Ursachen der ungleichen Verteilung der Güter hegt. Seine Theorie,
wenn er überhaupt eine hat, ist gewöhnlich die, daß, wer den willen
und die Fähigkeit dazu hat, genug Geld machen kann, und daß es die
Unwissenheit, Faulheit oder Verschwendung sind, die den Unterschied
zwischen Armen und Reichen herbeiführen. So ist auch die gewöhnliche
Erklärung der Unterschiede in der Zivilisation die der Unterschiede in
der Fähigkeit. Die zivilisierten Rassen sind die höherstehenden, und der
Fortschritt in der Zivilisation stimmt mit dieser Überlegenheit überein,
gerade wie nach der gewöhnlichen englischen Meinung die englischen
Siege der natürlichen Überlegenheit der Engländer über die froschessen
den Franzosen zuzuschreiben waren; und die volkstümliche Staatsver-
fassung, die höhere Erfindungsgabe und der größere Durchschnittskomfort
werden, oder wurden bis vor kurzem, von der gewöhnlichen amerikanischen
Ansicht der größeren Rührigkeit (sinartness) der Yankee-Nation zu
geschrieben.
Nun/ genau so wie die nationalökonomischen Lehren, welche wir
zu Anfang dieser Untersuchung antrafen und widerlegten, mit der ge
wöhnlichen Ansicht der Menschen übereinstimmten, welche die Kapi
talisten Lohn auszahlen und die Konkurrenz den Lohn Herabdrücken
sehen; wie die Malthussche Theorie mit den bestehenden Vorurteilen
sowohl der Reichen als der Armen übereinstimmte, ebenso stimmte die
Erklärung des Fortschrittes als einer stufenweisen Rassenverbesserung
mit der gewöhnlichen Meinung überein, welche die Unterschiede der
Zivilisation durch die Rassenunterschiede erklärt. Diese Erklärung hat
Ansichten, die bereits herrschten, Zusammenhang und eine wissenschaft
liche Formel gegeben. Ihre staunenswerte Ausbreitung seit der Zeit,
da Darwin zuerst die Welt mit seinem „Ursprung der Arten" beschenkte,
war nicht sowohl eine Eroberung, als eine Assimilieüung.
Die jetzt die Gedankenwelt beherrschende Ansicht geht dahin, daß
der Kampf ums Dasein genau in dem Verhältnisse, wie er sich verstärkt,
die Menschen zu neuen Anstrengungen und Erfindungen antreibe, daß
diese Vervollkommnung und Vervollkommnungsfähigkeit durch erbliche
Übertragung fixiert und durch die Tendenz des tüchtigsten oder voll
kommensten Individuums, unter anderen Individuen zu leben und sich
fortzupflanzen, und der tüchtigsten oder vollkommensten Sippe, Nation
oder Rasse, im Kampfe zwischen den sozialen Vereinigungen zu über
leben, ausgebreitet werde. Nach dieser Theorie erklärt man jetzt die
Ünterschiede zwischen Mensch und Tieren, so wie die Unterschiede in
dem relativen Fortschritt der Menschen ebenso zuversichtlich und nahezu