Full text: Fortschritt und Armut

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Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes, 
Buch X, 
und es bedarf der Lockerung und des Zuflusses fremder Elemente, die 
durch einen Einfall von Barbaren verursacht werden, um den Prozeß 
von vorn wieder anzufangen und ein neues Gedeihen der Zivilisation 
herbeizuführen. 
Indes Analogien find die gefährlichsten Denkmethoden. Sie 
können Ähnlichkeiten miteinander verbinden und doch die Wahrheit 
entstellen oder verbergen. Und alle solche Analogien sind oberflächlich. 
Solange seine Mitglieder beständig in all der frischen Kraft der Jugend 
wieder hervorgebracht werden, kann ein Staat nicht altern, wie es durch 
die Abnahme seiner Kräfte beim Menschen geschieht. Da die Gesamtkraft 
eines Staates die Summe der Kräfte seiner individuellen Bestandteile 
sein muß, kann er nicht an Lebenskraft verlieren, wenn sich nicht die 
Lebenskraft seiner Bestandteile vermindert. 
Trotzdem ist sowohl in der gewöhnlichen Analogie, die die Lebens 
kraft eines Volkes der eines einzelnen vergleicht, als auch in der von mir 
angenommenen die Anerkennung einer unleugbaren Wahrheit verborgen, 
nämlich, daß die Hindernisse, welche schließlich dem Fortschritte Halt 
gebieten, durch den Gang desselben hervorgerufen werden; daß der 
Umstand, der alle früheren Zivilisationen zerstört hat, in den Beding 
ungen lag, welche durch die Zunahme der Zivilisation selbst erzeugt 
wurden. 
Dies ist eine Wahrheit, die man in der herrschenden Philosophie 
ignoriert; aber es ist eine ganz einleuchtende Wahrheit. Jede haltbare 
Theorie des menschlichen Fortschrittes muß dieselbe erklären. 
Kapitel II. 
Die Unterschiede in der Zivilisation; worauf dieselben zurück 
zuführen sind. 
wenn man das Gesetz des menschlichen Fortschrittes zu finden 
sucht, muß der erste Schritt sein, die wesentliche Natur jener Unter 
schiede zu bestimmen, welche wir als Unterschiede in der Zivilisation 
bezeichnen. 
Daß die herrschende Philosophie, welche den sozialen Fortschritt 
Veränderungen in der Natur des Menschen zuschreibt, mit den histo 
rischen Tatsachen nicht übereinstimmt, haben wir schon gesehen. Auch 
können wir bei genauerer Betrachtung sehen, daß die Unterschiede 
zwischen Staaten auf verschiedenen Stufen der Zivilisation nicht an 
geborenen Unterschieden der diese Staaten ausmachenden Individuen 
zugeschrieben werden dürfen. Daß natürliche Unterschiede vorhanden 
sind, ist allerdings richtig, und daß es etwas gibt wie erbliche Über-
	        
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