Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X.

sehr  einfach.  Solange  es  sich  um  die  einfachsten  Dinge  handelt,  welche
sie  nur  in  der  Schule  lernen,  find  sie  auf  gleicher  Stufe,  sobald  ihre  Studien
aber  verwickelter  werden,  hat  dasjenige  Kind,  welches  zu  Hause  an  eine
gute  Aussprache  gewöhnt  wird,  bildende  Unterhaltungen  hört,  zu  Büchern
Zugang  hat,  Fragen  beantwortet  erhalten  kann  usw.,  einen  nicht  zu
unterschätzenden  Vorteil.
Das  Nämliche  kann  man  später  im  Leben  sehen.  Ulan  nehme
einen  Ulann,  der  sich  aus  den  Reihen  der  gewöhnlichen  Arbeiter  selbst
emporgeschwungen  hat,  so  wird  er  in  dem  Maße,  wie  er  mit  Leuten
von  Bildung  und  Stellung  in  Berührung  kommt,  gebildeter  und  verfeinerter ­
  werden.  Man  nehme  zwei  Brüder  an,  Söhne  armer  Eltern,
in  derselben  Familie  und  auf  dieselbe  Weise  erzogen.  Der  eine  wird
zu  einem  harten  Geschäft  angehalten  und  kommt  nie  darüber  hinaus,
sein  täglich  Brot  durch  schwere  Arbeit  verdienen  zu  müssen;  der  andere
fängt  als  Laufbursche  an,  gewinnt  in  anderer  Richtung  einen  Vorsprung
und  wird  schließlich  ein  erfolgreicher  Advokat,  Kaufmann  oder  Politiker.
Mit  vierzig  oder  fünfzig  Jahren  wird  der  Abstand  zwischen  ihnen  auffallend ­
  sein,  und  der  Gedankenlose  wird  denselben  der  größeren  natürlichen ­
  Fähigkeit  zuschreiben,  die  den  einen  in  den  Stand  gesetzt  habe,
dermaßen  voranzukommen.  Aber  ein  geradeso  auffallender  Unterschied
in  Sitten  und  Bildung  wird  zwischen  zwei  Schwestern  ersichtlich  sein,
von  denen  die  eine  einen  Mann  heiratete,  der  arm  blieb,  und  die  ihr
Leben  mit  niederen  Sorgen  und  im  ewigen  Einerlei  verbringen  muß,
während  die  andere  einen  Mann  heiratete,  dessen  spätere  Stellung
sie  in  gebildete  Gesellschaft  bringt  und  ihr  Gelegenheiten  eröffnet,  die
den  Geschmack  verfeinern  und  den  Verstand  entwickeln.  Ebenso  lassen
sich  Verschlechterungen  beobachten.  Daß  „schlechte  Beispiele  gute  Sitten
verderben",  ist  nur  ein  Ausdruck  des  allgemeinen  Gesetzes,  daß  der
menschliche  Lharakter  durch  die  Verhältnisse  und  Umgebungen  außerordentlich ­
  beeinflußt  wird.
Ich  erinnere  mich,  in  einem  brasilianischen  Hafenplatz  einmal
einen  Neger  gesehen  zu  haben,  dessen  Anzug  augenscheinlich  nach  der
neuesten  Mode  sein  sollte,  nur  fehlten  ihm  Schuhe  und  Strümpfe.
Einer  der  Seeleute,  mit  denen  ich  ging  und  der  einige  Fahrten  im
Sklavenhandel  gemacht  hatte,  entwickelte  die  Theorie,  daß  ein  Neger
kein  Mensch  sei,  sondern  eine  Art  Affe,  und  wies  auf  diesen  Neger  als
sichtbaren  Beweis  hin,  indem  er  behauptete,  es  sei  für  einen  Neger
nicht  natürlich,  Schuhe  zu  tragen,  und  im  wilden  Zustande  würde  er
überhaupt  gar  keine  Kleider  tragen.  Später  hörte  ich  aber,  daß  es  dort
als  unpassend  für  Sklaven  betrachtet  wird,  Schuhe  zu  tragen,  gerade  wie
es  in  England  als  unpassend  für  einen  tadellos  gekleideten  Kellner
betrachtet  werden  würde,  Juwelen  zu  tragen,  obwohl  ich  oft  genug
Leute  gesehen  habe,  die  sich  ganz  nach  Belieben  kleiden  konnten  und  doch
ein  ebensowenig  zusammenstimmendes  Bild  zeigten  wie  der  brasilianische ­
  Neger.  Aber  eine  große  Menge  der  als  Beispiele  erblicher  Uber ­
            
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