Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  III.

Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

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Verlauf  der  sozialen  Entwicklung  in  jedem  Lande  noch  eine  weile  beibehalten ­
  werden  fund  welche  in  dem  primitiven  ödstem  der  Dorfkultur
weide-  und  waldland  bleiben),  werden  leicht  erworben,  wie  wir  aus
neueren  Beispielen  sehen.  Ist  erst  die  Ungleichheit  da,  so  strebt  das
Grundeigentum  nach  Konzentrierung,  je  mehr  die  Entwicklung  vorangeht. ­

)ch  suche  nur  die  Tatsache  zu  beweisen,  daß  Hand  in  Hand  mit  der
sozialen  Entwicklung  sich  die  Ungleichheit  einstellt,  und  nicht  die  besonderen ­
  folgen  daraus  zu  entwickeln,  die  mit  den  verschiedenen  Verhältnissen ­
  notwendig  wechseln  müssen.  Aber  diese  Haupttatsache  macht
alle  die  Erscheinungen  der  Versteinerung  und  des  Rückganges  verständlich.
Die  ungleiche  Verteilung  der  Rechte  und  der  Güter,  die  durch  die  Integration ­
  der  Menschen  in  der  Gesellschaft  herbeigeführt  wird,  hemmt  die
Kraft,  durch  welche  der  Fortschritt  herbeigeführt  wird  und  die  Gesellschaft ­
  sich  hebt,  und  wiegt  sie  schließlich  auf.  Auf  der  einen  Seite  werden
die  Massen  der  Bürger  genötigt,  ihre  geistigen  Fähigkeiten  zur  bloßen
Erhaltung  des  Daseins  aufzuwenden.  Auf  der  anderen  Seite  wird  die
geistige  Kraft  zur  Erhaltung  und  Stärkung  des  Systems  der  Ungleichheit, ­
  zu  Gepränge,  Luxus  und  Krieg  verwendet.  Lin  Staat,  der  in  eine
herrschende  und  eine  beherrschte  Klasse,  in  die  sehr  Reichen  und  in  die
ganz  Armen  zerfällt,  mag  „bauen  wie  Riesen  und  der  Arbeit  eine  Vollendung ­
  geben  wie  Juweliere",  aber  es  werden  Monumente  hartherzigen
Stolzes  und  unfruchtbarer  Eitelkeit  oder  einer  ihrem  Beruf,  den  Menschen
zu  erheben,  entfremdeten  und  in  ein  Werkzeug  zu  seiner  Unterdrückung
verwandelten  Religion  sein.  Der  Lrfindungsgeist  mag  noch  eine  Zeitlang
einigermaßen  rege  bleiben,  aber  er  wird  sich  auf  Verfeinerung  des  Luxus
und  nicht  darauf  richten,  Mühsal  zu  erleichtern  und  die  Kraft  zu  steigern.
In  den  Mysterien  der  Tempel  oder  in  den  Zimmern  der  Hofärzte  mag
die  Wissenschaft  noch  gesucht  werden,  aber  man  wird  sie  als  ein  Geheimnis
verbergen  oder,  wenn  sie  sich  herauswagt,  um  das  gewöhnliche  Denken
zu  erheben  oder  das  gewöhnliche  Leben  zu  erhalten,  als  eine  gefährliche
Neuerung  niedertreten.  Denn  wie  die  Ungleichheit  die  dem  Fortschritt
gewidmete  geistige  Kraft  vermindert,  so  macht  sie  auch  die  Menschen
dem  Fortschritt  abgeneigt,  wie  stark  unter  den  Klassen,  die  in  der  Unwissenheit ­
  dadurch  erhalten  werden,  daß  sie  um  die  bloße  Existenz  ringen
müssen,  die  Neigung  ist,  bei  alten  Methoden  zu  verharren,  ist  zu  bekannt
um  Beispiele  zu  erfordern;  und  auf  der  anderen  Seite  ist  der  Konservatismus ­
  derjenigen  Klassen,  denen  die  bestehenden  sozialen  Einrichtungen ­
  besondere  Vorteile  verleihen,  nicht  minder  offenkundig.  Diese
Abneigung  gegen  Neuerungen,  selbst  wenn  sie  Verbesserungen  sind,  ist
in  jeder  Organisation  bemerkbar  —in  der  Religion,  in  der  Jurisprudenz,
in  der  Arzneikunde,  in  der  Naturwissenschaft,  in  den  Handwerksgilden;
und  sie  wird  desto  stärker,  je  geschlossener  die  Organisation  ist.  Line
geschlossene  Zunft  hat  vor  Neuerungen  und  Neuerern  stets  eine  instinktive
Abneigung,  die  nur  der  Ausdruck  der  instinktiven  Furcht  ist,  daß  durch
            
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