Full text : Fortschritt und Armut

Buch  X.

386  Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

nischen  Städten  gibt  es  heute  eine  sich  ebenso  scharf  abhebende  herrschende
Klasse,  wie  in  den  aristokratischsten  Ländern  der  Welt.  Ihre  Mitglieder
tragen  Stadtviertel  in  ihrer  Tasche,  beherrschen  die  Stimmzettel  in  den
Wahlkonventionen,  verteilen  Ämter  als  ob  sie  miteinander  handelten,
und  tragen  —  obgleich  sie  weder  säen  noch  spinnen  —  die  heften  Kleider
und  geben  mit  verschwenderischen  fänden  Geld  aus.  Sie  sind  Leute
von  Macht,  deren  Gunst  der  Ehrgeizige  suchen  und  deren  Rache  er  vermeiden ­
  muß.  wer  sind  diese  Männer?  Die  weisen,  die  Guten,  die
Gebildeten  —  Männer,  die  das  Vertrauen  ihrer  Mitbürger  durch  die
Reinheit  ihres  Lebens,  durch  den  Glanz  ihrer  Talente,  durch  ihre  Rechtschaffenheit ­
  bei  öffentlichen  Verwaltungen,  durch  das  tiefe  Studium
der  Probleme  der  Politik  erworben  haben?  Nein;  es  find  Spieler,
Salonhalter,  Klopffechter  oder  noch  Schlimmeres,  die  ein  Geschäft
daraus  gemacht  haben,  Stimmen  zu  beherrschen,  Stellen  und  Amtshandlungen ­
  zu  kaufen  und  zu  verkaufen.  Sie  stehen  der  Verwaltung
dieser  Städte  auf  demselben  Fuße  gegenüber,  wie  die  Prätorianer
der  des  verfallenden  Roms,  wer  den  Purpur  tragen,  auf  dem  kurulischen
Sessel  Platz  nehmen  oder  die  Liktorstäbe  vor  sich  hertragen  lassen  will,
muß  nach  ihrem  Lager  gehen  oder  seine  Boten  dahin  senden,  ihnen
Schenkungen  machen  und  Versprechungen  vorhalten.  Durch  diese
Männer  vermögen  die  reichen  Korporationen  und  allmächtigen  Geldinteressen ­
  den  Senat  und  die  Richterbank  mit  ihren  Kreaturen  zu  füllen.
Diese  Männer  sind  es,  welche  die  Schuldirektoren,  die  Stadtverordneten,
die  Schätzungsbeamten,  die  Mitglieder  der  Legislatur,  die  Männer  des
Kongresses  machen.  Ls  gibt  viele  Wahldistrikte  in  den  Vereinigten
Staaten,  in  denen  ein  George  Washington,  ein  Benjamin  Franklin
oder  ein  Thomas  Iefferson  nicht  mehr  Aussicht  hätte,  in  das  Unterhaus
einer  Staatslegislatur  zu  gelangen  als  unter  dem  ancien  regime  ein
niedrig  geborener  Bauer,  Marschall  von  Frankreich  zu  werden.  Ihr
Charakter  allein  würde  eine  unübersteigliche  Disqualifikation  dazu  fein,
In  der  Theorie  sind  wir  ganze  Demokraten.  Der  Vorschlag,  Schweine
im  Tempel  zu  schlachten,  würde  im  alten  Jerusalem  kaum  größeren
Abscheu  und  Unwillen  erregt  haben,  als  unter  uns  der,  unserem  hervorragendsten ­
  Bürger  eine  Rangunterscheidung  zu  verleihen.  Aber  wächst
nicht  unter  uns  eine  Klasse  auf,  die  die  ganze  Macht  ohne  irgendeine  dev
Tugenden  der  Aristokratie  hat?  wir  haben  einfache  Bürger,  die  Tausende
von  Meilen  Eisenbahnen,  Millionen  von  Morgen  Land,  die  Mittel
des  Unterhalts  von  Legionen  von  Menschen  beherrschen,  die  die  Gou
verneure  souveräner  Staaten  ernennen,  wie  sie  ihre  eigenen  Angestellten
ernennen,  die  Senatoren  wählen,  wie  sie  sich  Anwälte  aussuchen,  und
deren  Wille  in  den  gesetzgebenden  Versammlungen  so  maßgebend  ist,
wie  der  eines  französischen  Königs,  der  im  lit  de  justice  saß.  Die  unter
der  Oberfläche  liegenden  Strömungen  der  Zeiten  scheinen  uns  zu  den
alten  Verhältnissen,  denen  wir  entronnen  zu  sein  wähnten,  zurückzutreiben. ­
  Die  Entwicklung  der  Handwerks-  und  Handelsklassen  brach
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.