Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  I.

Die  herrschende  Lehre  vom  Lohn.

35

Ganzes,  als  das  Zusammenwirken  aller  in  ihren  verschiedenen  Gruppen
Beteiligten  zur  Befriedigung  der  verschiedenen  wünsche  jedes  einzelnen, ­
  so  sehen  wir  klar,  daß  der  Lohn,  den  jeder  für  sein  Bemühen
erhält,  als  das  Ergebnis  dieser  Anstrengung  ebenso  wahrhaftig  und
ebenso  unmittelbar  von  der  Natur  herrührt,  wie  dies  bei  dem  ersten
Menschen  der  Fall  war.
wir  wollen  dies  weiter  illustrieren:  Zn  dem  einfachsten  Zustande,
den  wir  uns  denken  können,  sucht  sich  jeder  seinen  Röder  und  fängt
seinen  Fisch.  Die  Vorteile  der  Teilung  der  Arbeit  werden  bald  ersichtlich, ­
  und  der  eine  gräbt  nach  Würmern,  während  der  andere  angelt.
Doch  trägt  offenbar  derjenige,  der  nach  Würmern  gräbt,  ebensoviel
zum  Fangen  der  Fische  bei,  wie  derjenige,  welcher  wirklich  fischt,  wenn
später  die  Vorteile  von  Rähnen  entdeckt  sind  und  einer  zurückbleibt,  um
Rähne  zu  machen  und  auszubessern,  widmet  der  Rahnmacher  seine
Arbeit  in  der  Tat  gerade  so  sehr  dem  Fischfänge  wie  die  wirklichen
Fischer,  und  die  Fische,  welche  er  abends  nach  der  Rückkehr  derselben
ißt,  sind  nicht  minder  das  Ergebnis  seiner  Arbeit  wie  der  ihrigen.  Zst
so  die  Teilung  der  Arbeit  erst  in  vollem  Gange,  und  fischt  der  eine,
jagt  der  andere,  pflückt  der  dritte  Beeren,  sammelt  der  vierte  Früchte,
macht  der  fünfte  Werkzeuge,  baut  der  sechste  chütten,  verfertigt  der
siebente  Rleider,  anstatt  daß  jeder  alle  seine  Bedürfnisse  durch  direkte
Inanspruchnahme  der  Natur  zu  befriedigen  sucht,  —  dann  wendet
jeder  in  dem  Maße,  wie  er  das  unmittelbare  Produkt  seiner  Arbeit  gegen
das  unmittelbare  Produkt  der  Arbeit  anderer  austauscht,  tatsächlich
seine  Arbeit  zur  Erzeugung  aller  der  von  ihm  gebrauchten  Dinge  auf
und  befriedigt  faktisch  seine  wünsche  durch  die  Anstrengung  seiner  besonderen ­
  Rräfte;  das  heißt,  was  er  empfängt,  produziert  er  tatsächlich
selbst,  wenn  er  wurzeln  gräbt  und  sie  gegen  wildpret  austauscht,
beschafft  er  tatsächlich  wildpret  ebenso,  als  wenn  er  das  Reh  gejagt
und  den  Zager  selbst  seine  wurzeln  hätte  graben  lassen.  Die  gewöhnliche ­
  Redensart:  „ich  mache  so  und  so  viel",  gleichbedeutend  mit  „ich
verdiene  so  und  so  viel"  oder  „ich  verdiente  Geld,  womit  ich  das  und
das  kaufte",  ist  vom  nationalökonomischen  Gesichtspunkte  nicht  bloß
bildlich,  sondern  buchstäblich  richtig,  verdienen  ist  machen!
Verfolgen  wir  nun  diese  Grundsätze,  die  in  einem  einfacheren
Gesellschaftszuftande  einleuchtend  genug  sind,  durch  die  verwickelteren
Verhältnisse  des  Zustandes,  den  wir  zivilisiert  nennen,  so  werden  wir
klar  sehen,  daß  in  jedem  Falle,  in  welchem  Arbeit  gegen  waren  ausgetauscht ­
  wird,  die  Produktion  tatsächlich  dem  Genusse  voraufgeht;
daß  der  Arbeitslohn  der  Verdienst  —  d.  h.  das  Ergebnis  der  Arbeit—,
nicht  aber  der  Vorschuß  des  Rapitals  ist,  und  daß  der  Arbeiter,  welcher
seinen  Lohn  in  Geld  erhält  (das  freilich  gemünzt  oder  gedruckt  war,
ehe  er  die  Arbeit  begann),  tatsächlich  für  die  durch  seine  Arbeit  bewerkstelligte ­
  Vermehrung  des  allgemeinen  Gütervorrats  eine  Anweisung ­
  auf  denselben  empfängt,  mit  der  er  sich  die  von  ihm  gewünschten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.