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Der Stadtverkehr.
Straßen von Paris und verdankte dem Bankier Lafitte sein Dasein. In London begann
der Omnibusverkehr im Jahre 1829.
Die Idee, das Eisenbahngeleis auch dem städtischen Verkehre dienstbar zu machen,
war eine sehr glückliche und erfolgreiche, denn die Straßeneisenbahnen haben sich für
die Entwickelung der Städte als von sehr großer Bedeutung erwiesen. Die erste Straßen
eisenbahn in Deutschland kam in Berlin im Jahre 1865 am 22. Juni in Betrieb. Nur
unter Aufwendung ganz außergewöhnlicher Mühe und nur durch eine große Beharrlichkeit
war es dem dänischen Ingenieur Möller möglich gewesen, seinen Plan durchzusetzen.
Nach Berlin erhielt Hamburg eine Pferdebahn (16. Aug. 1866), dann Stuttgart (29. Juli
1868). Im Jahre 1872 folgten Dresden, Frankfurt a. M., Hannover und Leipzig.
Die Ersetzung der Pferdebahnen durch solche mit mechanischem Antrieb (Dampf,
Gas und neuerdings in immer zunehmenderem Umfange Elektrizität) bezeichnen weitere
Etappen auf dem bedeutungsvollen Gebiete des städtischen Verkehrs, zu dessen Abwicke
lung es in vielen Städten bereits erforderlich geworden ist, besondere Stadtbahnen
anzulegen, deren mannigfache Formen in dem Abschnitte Eisenbahnen zur Vorführung
gelangen. Die Ersetzung der Fuhrwerke durch Motorwagen befindet sich zwar an vielen
Orten erst im Entwickelungsstadium, dürfte aber eines Tages eine ziemlich vollständige
werden. Die zunehmende Bedeutung dieses Transportmittels läßt es gerechtfertigt
erscheinen, auf dasselbe weiterhin zurückzukommen.
Um die Bedeutung des städtischen Schuellverkehrs recht klar hervortreten zu lassen,
mögen nachstehend einige besonders bemerkenswerte Zahlen gegeben werden. Während für
New Pork diese Verkehrsziffer im Jahre 1871 rund 130 Millionen betrug, war sie im
Jahre 1895 auf 469 Millionen gestiegen, so daß hier täglich durchschnittlich Istz Millionen
Menschen befördert wurden. Das mächtige Anwachsen Berlins seit 1870 spiegelt sich
auch in seinem Berkehrsleben wieder, und es ist von Interesse, einzelne Ziffern aus
diesem anzuführen.
Der Omnibusverkehr betrug:
1877: 13000000, 1881: 97 000000, 1894: 36000000 Passagiere.
Der Verkehr der Straßeneisenbahnen:
1877: 27000000, 1881: 90000000 Passagiere.
Im Jahre 1897 wurden mit den Pferdebahnen befördert:
189 429 439 Passagiere.
Im Jahre 1882 fand die Inbetriebnahme der Stadtbahn statt, deren Züge mit
Lokomotiven betrieben werden. Die Verkehrsziffer betrug:
1882: 9 347 850, 1890: 33 891 912, 1897: 87 746 914 Personen.
Durch sämtliche Transportanlagen wurden 1897 bei einer Bevölkerung von
1 753 834 Einwohnern 330 697 459 Passagiere befördert.
In den orientalischen Städten beginnt die Straßeneisenbahn gleichfalls immer mehr
einzudringen, wie es denn auch nur eine Frage der Zeit ist, daß selbst die chinesischen
Städte von Geleisen durchzogen sein werden. Heute spielt in den letzteren Städten neben
den sogenannten Männerkraftwagen, den Jinrickshaws, noch die einräderige Schub
karre für den Personentransport eine Rolle. Der Männerkraftwagen besitzt zwei Räder
und trägt seinen Namen davon, daß diese leichten Gefährte von einem Manne gezogen
werden. Auf dem einräderigen Schubkarren nehmen die Fahrgäste, in Shanghai bei
spielsweise vielfach chinesische Arbeiterinnen, beiderseits des Rades auf hier befindlichen
Bänken Platz.
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An dieser Stelle darf nicht vergessen werden, auch auf die große Bedeutung hin
zuweisen, welche in verkehrlicher Beziehung die Post, der Telegraph und das
Telephon besitzen, wie auch nicht verkannt werden kann, daß sich das Fahrrad zu
einem Verkehrsmittel entwickelt hat, das bei einer Aufzählung der Transportmittel
nicht übergangen werden darf.