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Arbeitslohn und Kapital.
Buch I.
besonderen Güter verschaffen kann; und daß weder das Geld, welches
nur die Anweisung ist, noch die Güter, die er dafür angeschafft bat,
einen Vorschuß des Kapitals für seinen Unterhalt, sondern vielmehr
die Güter oder wenigstens einen Teil der Güter darstellen, welche
seine Arbeit bereits dem allgemeinen Vorräte hinzugefügt hat.
Behalten wir diese Grundsätze im Auge, so sehen wir, daß der
Zeichner, welcher in seinem dunkeln Atelier am Ufer der Themse die
LAäne einer großen Schiffsmaschine entwirft, seine Arbeit gerade so
gut der Erzeugung von Brot und Fleisch widmet, als ob er in Kali
fornien Korn einbrächte oder in den jdampas von La jdlata den Lasso
schwänge; daß er sich seine Kleider so gut verfertigt, als ob er in Australien
Schafe scherte oder in jdaisley Tuch webte; und den Rotwein, den
er Mittags trinkt, so gut produziert, als ob er die Trauben an den Ufern
der Garonne persönlich pflückte. Der Bergmann, der 2000 Fuß unter
der Erde im herzen des Komstocks Silbererze gräbt, heimst damit —
vermittels unzähliger Tausche —Korn in Tälern ein, die dem Mittel
punkt der Erde 5000 Fuß näher liegen, jagt den Walfisch durch die Eis
felder des fernsten Nordens, pflückt Tabak in virginien und Kaffee
bohnen in Honduras, schneidet Zuckerrohr auf den hawaiischen Inseln,
sammelt Baumwolle in Georgia oder webt sie in Manchester oder
Lowell, macht niedliche Kinderspielzeuge im harz oder pflückt zwischen
dem Grün und Gold der Gärten von Los Angelos die Drangen, die
er nach getaner Arbeit seinem kranken Weibe heimbringt. Der Lohn,
den er Sonnabends am Ausgange des Schachts erhält, was ist er
anders, als der in aller Welt gültige Schein, daß er alle diese Dinge
getan hat — in der langen Reihe von Tauschen der erste Tausch, welcher
seine Arbeit in die Dinge umwandelt, für die er tatsächlich gearbeitet hat?
Alles dies ist klar, wenn es in dieser weise ins Auge gefaßt wird;
aber um den Irrtum in allen seinen Festen und Verstecken aufzufinden,
müssen wir die Sache nicht bloß deduktiv, sondern auch induktiv unter
suchen. wir wollen daher jetzt sehen, ob, wenn wir von Tatsachen
ausgehen und ihre Beziehungen verfolgen, wir zu denselben Resultaten
gelangen, als wenn wir, von Prinzipien ausgehend, ihre Anwendbarkeit
auf komplizierte Tatsachen untersuchen.
Kapitel II.
Der Sinn der Ausdrücke.
Ehe wir weiter in unserer Untersuchung fortfahren, müssen wir
uns über die Bedeutung unserer Ausdrücke klar werden, denn Un
bestimmtheit in ihrer Anwendung muß unvermeidlich Zweideutigkeit
und Unbestimmtheit hervorbringen. Nicht allein ist es für die ökonomi-