Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Der  Sinn  der  Ausdrücke.

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scheu  Untersuchungen  notwendig,  Worten  wie  „Güter",  „Kapital",
„Rente",  „Lohn"  und  dergleichen  einen  bestimmteren  Sinn  zu  geben,
als  sie  in  der  gewöhnlichen  Redeweise  haben,  sondern  unglücklicherweise
besteht  selbst  in  der  Nationalökonomie  keine  Übereinstimmung  über
den  Sinn  einiger  dieser  Wörter,  indem  verschiedene  Schriftsteller  mit
demselben  Ausdruck  verschiedene  Begriffe  verbinden,  und  dieselben
Schriftsteller  oft  einen  Ausdruck  in  verschiedenen  Bedeutungen  anwenden.
Nichts  kann  das,  was  von  so  vielen  hervorragenden  Schriftstellern  über
die  Wichtigkeit  klarer  und  bestimmter  Definitionen  gesagt  worden  ist,
mehr  bekräftigen,  als  das  nicht  seltene  Beispiel,  daß  dieselben  Autoren
eben  aus  dem  Grunde,  vor  dem  sie  warnten,  in  schwere  Irrtümer
verfallen.  Und  nichts  zeigt  so  sehr  die  Wichtigkeit  der  anzuwendenden
Ausdrücke  als  das  Schauspiel,  daß  selbst  scharfe  Denker  wichtige  Schlüsse
auf  den  Gebrauch  desselben  Wortes  in  verschiedenen  Bedeutungen
gründen.  Ich  werde  mich  bemühen,  diese  Gefahren  zu  vermeiden.  Ls
wird  durchweg  mein  Bestreben  sein,  bei  wichtigen  Ausdrücken  klar  zu
sagen,  was  ich  damit  meine  und  dieselben  dann  in  diesem  Sinne  und
in  keinem  anderen  zu  gebrauchen.  Den  Leser  aber  bitte  ich,  die  gegebenen ­
  Definitionen  zu  merken  und  im  Sinne  zu  behalten,  weil  ich
sonst  nicht  hoffen  kann,  mich  ihm  verständlich  zu  machen.  Ich  werde
nicht  versuchen,  den  Wörtern  willkürliche  Bedeutungen  zu  geben  oder
Ausdrücke  zu  schaffen,  auch  wenn  es  bequem  wäre  dies  zu  tun,  sondern
ich  werde  mich  dem  bestehenden  Gebrauch  so  weit  als  möglich  anpassen,
und  mich  nur  bemühen,  die  Bedeutung  der  Wörter  so  festzustellen,  daß  sie
klare  Gedanken  ausdrücken.
Was  uns  obliegt,  ist,  zu  erforschen,  ob  wirklich  die  Löhne  aus  dem
Kapital  entnommen  werden.  Zu  allernächst  wollen  wir  zu  diesem
Zwecke  feststellen,  was  wir  unter  Lohn,  und  was  wir  unter  Kapital
verstehen.  Dem  ersteren  Worte  ist  von  den  ökonomischen  Schriftstellern
ein  hinreichend  bestimmter  Sinn  gegeben  worden,  aber  die  Zweideutigkeiten, ­
  die  sich  in  der  Nationalökonomie  mit  dem  Gebrauch  des  letzteren
verknüpft  haben,  erfordern  eine  eingehende  Prüfung.
Im  gewöhnlichen  Leben  versteht  man  unter  „Lohn"  die  Vergütung, ­
  die  eine  gemietete  Person  für  ihre  Dienste  erhält,  und  wir
sprechen  von  einem  Manne,  der  „für  Lohn  arbeitet",  im  Gegensatz
zu  einem  anderen,  der  „für  sich  selbst  arbeitet".  Der  Gebrauch  des  Ausdrucks ­
  ist  noch  weiter  beschränkt  durch  die  Gewohnheit,  ihn  nur  als  eine
Vergütung  für  körperliche  Arbeit  anzuwenden.  Bei  Beamten,  Direktoren ­
  oder  Kommis  sprechen  wir  nicht  von  ihren  Löhnen,  sondern  von
ihrem  Honorar,  ihrem  Gehalt,  ihrem  Salär.  Somit  ist  also  der  gewöhnliche ­
  Sinn  des  Wortes  „Lohn"  die  einer  gemieteten  Person  für
körperliche  Arbeit  gezahlte  Vergütung.  In  der  Nationalökonomie  dagegen ­
  hat  das  wort  „Lohn"  einen  viel  weiteren  Sinn  und  schließt  alle
Erstattungen  für  Arbeit  in  sich.  Denn  wie  die  Nationalökonomen  lehren,
sind  die  drei  Faktoren  der  Produktion  Land,  Arbeit  und  Kapital,  und
            
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