Full text : Fortschritt und Armut

Bevölkerung  und  Unterhaltsmittel.

Buch  II.

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fuchs  über  die  Bevölkerung"  den  Irrtum,  in  welchen  Smith  in  betreff
der  Natur  und  der  Ursache  der  Rente  verfallen  war,  richtig  stellte,  lieh
der  Ulalthusschen  Theorie  eine  weitere  Stütze,  indem  er  die  Aufmerksamkeit ­
  darauf  lenkte,  daß  die  Rente  in  dem  Maße  steigen  müsse,  je
mehr  die  Erfordernisse  der  zunehmenden  Bevölkerung  zum  Anbau
immer  weniger  ergiebiger  Ländereien  zwängen,  und  damit  das  Steigen
der  Rente  erklärte.  Auf  diese  weise  wurde  gewissermaßen  eine  Tripelallianz ­
  hergestellt,  durch  welche  die  Malthussche  Tbeorie  auf  beiden
Seiten  mächtige  Stützen  erhielt  —  die  vorher  bestehende  Lohntheorie
und  die  später  anerkannte  Rententheorie  stellten  unter  diesem  Gesichtspunkte ­
  nur  besondere  Beispiele  der  Wirksamkeit  des  allgemeinen  Prinzips
dar,  welches  Malthus'  Namen  erhielt,  und  das  Sinken  des  Lohnes  und
das  Steigen  der  Rente,  die  mit  der  Bevölkerungsznnahme  kommen,
waren  nur  verschiedene  formen,  in  denen  sich  der  Druck  der  Bevölkerung ­
  gegen  die  Unterhaltsmittel  äußerte.
So  hat  sich  die  Malthussche  Theorie  in  dem  innersten  Bau  der
Nationalökonomie  eingenistet  (denn  die  Wissenschaft  hat  seit  den  Tagen
Ricardos  keine  wesentliche  Veränderung  oder  Verbesserung  erfahren,
obgleich  sie  in  einigen  untergeordneten  Punkten  geklärt  und  erläutert
wurde),  und  sie  widerstreitet  zwar  den  obenerwähnten  Gefühlen,  aber
nicht  anderen  Auffassungen,  welche  wenigstens  in  älteren  Ländern  unter
den  Arbeiterklassen  allgemein  herrschen;  sie  stimmt  vielmehr  gleich
der  Lohntheorie,  durch  welche  sie  gestützt  wird,  und  die  sie  ihrerseits
stützt,  mit  denselben  überein.  Für  den  Handwerker  oder  Fabrikarbeiter
ist  die  Ursache  des  niedrigen  Lohns  und  der  Unmöglichkeit,  Beschäftigung ­
  zu  erhalten,  offenbar  die  durch  den  Druck  der  zahlreichen  Bewerber
verursachte  Konkurrenz,  und  was  scheint  in  den  schmutzigen  Wohnungen
der  Armut  klarer,  als  daß  es  zu  viele  Menschen  gibt?
Die  Pauptursache  des  Triumphes  dieser  Theorie  ist  jedoch,  daß
sie,  anstatt  hergebrachtes  Recht  zu  bedrohen  oder  mit  mächtigen  Interessen ­
  in  Gegensatz  zu  geraten,  eminent  beruhigend  für  diejenigen  Ulassen
ist,  welche  die  Macht  des  Reichtums  handhaben  und  in  hohem  Maße
das  Denken  beherrschen.  Zu  einer  Zeit,  als  alte  Stützen  fielen,  kam
sie  den  besonderen  Privilegien  zu  Pilse,  durch  welche  einige  wenige  so
viele  der  Güter  dieser  Welt  auf  sich  vereinigen,  und  proklamierte  eine
natürliche  Ursache  für  den  Mangel  und  das  Elend,  die,  wenn  sie  politischen ­
  Einrichtungen  zuzuschreiben  wären,  jede  Regierung,  unter  der
sie  bestehen,  verurteilen  müßten.  Der  „versuch  über  die  Bevölkerung"
war  eingestandenermaßen  eine  Replik  auf  William  Godwins  „Untersuchung ­
  über  die  politische  Gerechtigkeit",  ein  Werk,  das  den  Grundsatz
der  menschlichen  Gleichheit  vertrat;  und  sein  Zweck  war,  die  bestehende
Ungleichheit  dadurch  zu  rechtfertigen,  daß  die  Verantwortlichkeit  dafür
von  den  menschlichen  Institutionen  auf  die  Gesetze  des  Schöpfers  gewälzt ­
  wurde.  Darin  war  nichts  Neues,  denn  schon  beinahe  vierzig  Jahre
früher  hatte  wallace  die  Gefahr  übermäßiger  Vermehrung  gegen  die
            
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