Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  I.

Die  Malthussche  Theorie,  ihr  Ursprung  und  ihre  Stütze.

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der  Godwins,  der  Anklagen  der  Lobbetts  und  aller  der  Pfeile,  die  von
Gründen,  von  Spott,  ksohn  und  Gefühl  auf  sie  abgeschossen  werden
konnten,  steht  sie  heute  in  der  Gedankenwelt  als  eine  anerkannte  Wahrheit ­
  da,  welche  die  Anerkennung  selbst  derjenigen  erzwingt,  die  gerne
nicht  daran  glauben  rnöchten.
Die  Ursachen  ihres  Triumphes,  die  «Duellen  ihrer  Stärke  sind  klar
genug.  Anscheinend  durch  eine  unwiderlegliche,  auf  Zahlen  gegründete
Wahrheit  gestützt,  nämlich:  daß  eine  fortwährend  zunehmende  Bevölkerung ­
  schließlich  über  die  Fähigkeit  der  Erde,  Nahrung  oder  nur  einen
Platz  zum  Stehen  zu  liefern,  hinauswachsen  müßte,  wird  die  Malthussche
Theorie  durch  Analogien  im  Tier-  und  Pflanzenreich  bestätigt,  wo  das
Leben  allenthalben  verheerend  gegen  die  Schranken  stößt,  welche  die
verschiedenen  Pflanzen-  und  Tierarten  im  Zaum  halten  —  Analogien,
welchen  der  moderne  Zdeengang,  indem  er  die  Unterscheidungen  zwischen
den  verschiedenen  Lebensformen  verwischte,  immer  größeres  Gewicht
verlieh;  und  sie  wird  anscheinend  durch  viele  offenbare  Tatsachen  gekräftigt, ­
  wie  das  Vorherrschen  der  Armut,  des  Lasters  und  des  Elends
unter  dichten  Bevölkerungen;  die  allgemeine  Wirkung  des  materiellen
Fortschritts  auf  Zunahme  der  Bevölkerung  ohne  Verminderung  des
Pauperismus;  die  schnelle  Vermehrung  der  Menschen  in  neu  besiedelten
Ländern  und  die  augenscheinliche  Verhinderung  der  Zunahme  in  dichter
bevölkerten  Ländern  durch  die  Sterblichkeit  unter  der  zum  Mangel
verurteilten  Ulasse.
Die  Malthussche  Theorie  liefert  einen  allgemeinen  Grundsatz,
der  diese  und  ähnliche  Tatsachen  erklärt  und  sie  in  einer  weise  erklärt,
welche  mit  der  Lehre,  daß  der  Arbeitslohn  aus  dem  Kapital  genommen
wird,  sowie  mit  allen  den  Grundsätzen  übereinstimmt,  welche  davon
abgeleitet  sind.  Nach  der  herrschenden  Lehre  vom  Lohn  sinken  die  Löhne,
sobald  eine  Vermehrung  der  Arbeiterzahl  eine  weitere  Teilung  des
Kapitals  erheischt;  nach  der  Malthusschen  Theorie  erscheint  die  Armut,
sobald  eine  Zunahme  der  Bevölkerung  die  weitere  Teilung  der  Unterhaltsmittel ­
  erfordert.  Ls  bedarf  nur  der  Gleichsetzung  von  Kapital  und
Unterhaltsmitteln,  sowie  von  Arbeiterzahl  und  Bevölkerung,  einer  Gleichsetzung, ­
  die  in  den  hergebrachten  Lehrbüchern  der  Nationalökonomie,
wo  die  fraglichen  Ausdrücke  oft  miteinander  vertauscht  werden,  gang  und
gäbe  ist,  um  die  beiden  Sätze  formell  so  übereinstimmend  zu  machen,
wie  sie  es  dem  Wesen  nach  sind*).  Und  daher  kommt  es,  daß,  wie  Buckle
in  dem  vorhin  angeführten  Satze  sagt,  die  von  Malthus  aufgestellte
Bevölkerungstheorie  die  von  Smith  entwickelte  Lohntheorie  in  entscheidender ­
  weise  zu  erhärten  scheint.
Ricardo,  der  einige  Jahre  nach  der  Veröffentlichung  des  „Ver-*)

  Die  Wirkung  der  Malthusschen  Lehre  auf  die  Definitionen  des  Kapitals  läßt
sich  meines  Erachtens  daraus  ersehen,  daß  man  die  Definition  Smiths,  der  vor  Malthus
schrieb,  mit  denen  Ricardos,  McLullochs  und  Mills  vergleicht,  die  später  schrieben.
            
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