Full text : Fortschritt und Armut

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Bevölkerung  und  Unterhaltsmittel.

Buch  II.

stützung  durch  den  'schnellen  Wechsel  der  Ansichten  über  den  Ursprung
des  Menschen  und  die  Entstehung  der  Arten  erhalten.  Daß  Buckle  recht
darin  hatte,  daß  die  Aufstellung  der  Malthusschen  Theorie  einen  Abschnitt ­
  in  der  Geschichte  des  spekulativen  Denkens  bezeichne,  wäre,  wie
ich  glaube,  leicht  zu  beweisen;  doch  würde  es  uns,  so  interessant  es  wäre,
über  den  Bereich  dieser  Untersuchung  hinausführen,  wenn  wir  ihren
Einfluß  auf  die  höheren  Gebiete  der  Philosophie  (wovon  Buckles  eigenes
Werk  ein  Beispiel  ist)  verfolgen  wollten.  Aber  wieviel  davon  auch  widergespiegelt ­
  und  wie  viel  davon  original  sei,  die  Unterstützung,  welche  der
Ukalthusschen  Theorie  durch  die  neue  Entwicklungslehre,  die  sich  jetzt
so  geschwind  nach  allen  Richtungen  hin  ausbreitet,  geleistet  wird,  inuß
bei  jeder  Würdigung  der  «Duellen,  aus  denen  diese  Theorie  ihre  jetzige
Stärke  schöpft,  in  Betracht  gezogen  werden.  Wie  in  der  Nationalökonomie
die  chilfstruppen  der  Lohn-  und  der  Rententheorie  sich  verbanden,  um
die  Malthussche  Theorie  zum  Range  einer  Zentralwahrheit  zu  erheben,
so  hat  die  Ausdehnung  ähnlicher  Ansichten  auf  die  Entwicklung  des
Lebens  in  allen  seinen  Formen  die  Wirkung,  ihr  eine  noch  höhere  und
uneinnehmbarere  Stellung  anzuweisen.  Agassiz,  der  bis  zu  seinem  Todestage ­
  ein  erbitterter  Gegner  der  neuen  Lehre  war,  bezeichnete  den  Darwinismus ­
  als  „Malthus  in  neuer  Auflage"*)  und  Darwin  selbst  sagt,
der  Kampf  ums  Dasein  „sei  die  Malthussche  Lehre  mit  vervielfachter
Kraft  auf  das  ganze  Tier-  und  Pflanzenreich  angewendet"**).
fEs  scheint  mir  indes  nicht  ganz  korrekt,  daß  die  Theorie  der  Entwicklung ­
  durch  natürliche  Wahl  oder  durch  Überleben  der  Tüchtigsten
ein  weiter  entwickelter  Malthusianismus  sei,  denn  die  Lehre  desselben
schloß  nicht  ursprünglich  und  schließt  nicht  notwendig  die  Idee  des  Fortschrittes ­
  ein.  Aber  dieselbe  wurde  ihr  bald  hinzugefügt.  McLulloch***)
schreibt  dem  „Prinzip  der  Volksvermehrung"  die  Hebung  der  Gesellschaft
und  den  Fortschritt  der  Künste  zu  und  erklärt,  daß  die  dadurch  erzeugte
Armut  als  ein  mächtiger  Antrieb  zur  Entwicklung  des  Fleißes,  zur  Ausbreitung ­
  der  Wissenschaft  und  zur  Ansammlung  von  Reichtum  unter
den  höheren  und  Mittelklassen  wirke,  ohne  welchen  Antrieb  die  Gesellschaft ­
  schnell  in  Apathie  versinken  und  verfallen  würde.  Mas  ist  dies
anders  als  das  Anerkenntnis,  daß  die  entwickelnden  Wirkungen  des
„Kampfes  ums  Dasein"  und  des  „Überlebens  der  Tüchtigsten",  die,
wie  uns  jetzt  die  Autoritäten  der  Naturwissenschaften  sagen,  die  von  der
Natur  angewendeten  Mittel  waren,  um  alle  die  unendlich  verschiedenartigen ­
  und  sich  den  Umständen  wunderbar  anpassenden  Formen  hervorzubringen, ­
  welche  das  sprossende  Leben  der  Erde  annimmt,  auch  für
die  menschliche  Gesellschaft  Gültigkeit  haben?  Was  ist  es  als  die  Anerkennung ­
  der  Kraft,  welche,  anscheinend  grausam  und  unbarmherzig,
*)  Vortrag  vor  dem  Landwirtschaftsrat  von  Massachusetts  ;8?2.  Bericht  des
Ackerbau-Departements  der  vereinigten  Staaten  \8?5.
**)  Ursprung  der  Arten.  Rap.  III.
***)  Anmerkung  IV  zum  Volkswohlstand.
            
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