Full text : Wirtschaft als Leben

Ausblicke,  VI.

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Wissenschaft  vom  persönlichen  Handeln  zum  oberpersönlichen  hinauf,
so  geht  die  schildernde  vom  persönlichen  zum  unterpersönlichen  hinunter. ­
  Ein  Höher  oder  Nieder  der  beiden  Wissenschaften,  miteinander
verglichen,  ist  hiermit  nicht  gegeben;  denn  es  handelt  sich  beidemal
um  eine  Umformung,  die  das  persönliche  Handeln  entpersönlicht.
Ein  Vorzug  der  berichtenden  Wissenschaft  gilt  nur  soweit,  als  sie
im  Grundsätze  nach  dem  grünen  Handeln  blickt;  dieser  Vorzug  verwirklicht ­
  sich  also  um  so  mehr,  je  mehr  diese  Wissenschaft  ganz  unmittelbar ­
  das  Menschenschicksal  nachschöpferisch  gestaltet.  In  solcher
Nachschöpfung  ist  die  berichtende  Wissenschaft  gleichsam  „intensiver  ,
die  schildernde  „extensiver  Betrieb“.  Das  verträgt  sich  gut  mit  dem
eigentümlichen  Verhältnisse,  daß  der  schildernden  Wissenschaft  die
Gegenwart  Vorbehalten  bleibt;  weil  diese  so  von  „Tatsachen“  starrt
und  so  zahlensprühend  ist,  daß  hier  der  Forschung  ein  gewaltiges
„Weideland“  offen  steht.  Der  Hang  nach  dem  „generischen  Schicksal
verweist  die  schildernde  Wissenschaft  auch  zur  Arbeit  über  jenen  Punkt
hinaus,  den  ein  großer  Meister  des  unzerfällenden  Denkens  genial  als
den  herausgefunden  hat,  bei  dem  mit  dem  „Schrifttume“  auch  alle
„Geschichte“  aufhört;  das  will  sagen,  der  schildernden  Wissenschaft
ist  auch  die  „Urzeit“  Vorbehalten  1
Weil  vor  jener  theoretischen  Umgestaltung  alle  ursprünglichen
Einheiten  des  persönlichen  Handelns  in  den  Schatten  treten,  liegt  es
nahe,  in  ihr  selber  wieder  eine  ursprüngliche  Einheit  zu  erblicken,
ein  „Leben“.  Träger  dieses  „Lebens“,  soweit  wenigstens,  daß  es  jener
Einheit  gegenüber  die  Person  bedeutet,  wäre  dann  die  Menschheit.
In  diesem  Sinne  erscheint  das  Menschheitsleben  als  der  Gegenstand ­
  der  schildernden  Wissenschaft.  Es  ist  schon  damit  vorgebeugt,
diese  Umformung  so  ernst  zu  nehmen  wie  jene  anderen,  für  welche
das  Leben  selber  einsteht  und  die  schon  dem  urwüchsigen  Denken
geläufig  sind.  Es  ist  vielleicht  gut,  diesem  eigentlichen  Namen  einen
anderen,  wie  in  der  Klammer,  beizugeben;  als  stete  Warnung,  hier
kein  eigentliches  Gebilde  zu  sehen,  als  stete  Mahnung,  daß  auch  die
schildernde  Wissenschaft  der  Einheit  des  Geschehens  nacheifert;
wenn  sie  es  auch  in  jener  Hinsicht  gegensätzlich  der  Art  tut,  in  der
die  berichtende  Wissenschaft  vorgeht.  Den  Sachverhalt  nämlich,  daß  im
engen  Raume  der  gleichen  Erkenntnisaufgabe,  des  gleichen  Stoffes,
doch  noch  der  schroffste  Gegensatz  wach  bleibt,  den  drückt  man
vielleicht  am  besten  aus,  sobald  man  der  berichtenden,  als  Wissenschaft
von  der  „Geschichte“,  die  schildernde  als  die  Wissenschaft  von  der
„Ungeschichte“  entgegen  hält.  Ein  Wort,  das  sich  also  im  gleichen
Namendienste  mit  dem  Worte  „Menschheitsleben“  teilt.
            
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