Full text : Wirtschaft als Leben

Der  Stoff  der  Sozialwissenschaft,  I,  B.

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Erlebte  kehren.  Hier  muß  nun  die  erkenntnistheoretische
Erwägung  einsetzen.  Ihr  Beruf  liegt  darin,  daß  sie  die  bisher  ermittelten ­
  Verhältnisse  unseres  Denkens  in  Einklang  zu  bringen  sucht
mit  den  Annahmen  über  die  Natur  des  Gegebenen,  also
mit  den  ontologischen  Voraussetzungen.
B.  Die  erkenntnistheoretische  Deutung.
Als  Bewußtseinsinhalt,  ohne  doch  Gedachtes  zu  sein,  ist  das  Erlebte ­
  zunächst  das  Anschauliche.  Freilich  ist  auch  unser  begriffliches ­
  Denken  im  Erleben  beschlossen;  aber  dann  wieder  nur  als  jenes
Anschauliche,  das  wir  als  „unser  begriffliches  Denken“  erst  zu  einem
Begriffe  formen.  Ebenso  zweifellos,  wie  das  Erlebte  anschaulich  ist,
müssen  wir  ihm  Mannigfaltigkeit  zusprechen;  und  zwar  unendliche ­
  Mannigfaltigkeit  in  dem  Sinne,  daß  keine  noch  so  große  Zahl
von  Erfahrungsurteilen  ausreicht,  um  den  Inhalt  des  Erlebten  auszuschöpfen. ­
  Bis  hierher  gehen  die  so  ziemlich  unbestrittenen  Annahmen
über  die  Natur  des  Gegebenen.
Es  hat  nun  auch  bloß  den  Sinn  einer  Annahme  über  die  Natur
des  Gegebenen,  wenn  man  den  Gegensatz  „sinnlich  seelisch“
schon  in  das  Erlebte  selber  einsenkt;  dieses  läge  dann,  schon  in  seiner
Anschaulichkeit,  teils  als  seelische,  teils  als  sinnliche  Mannigfaltigkeit
vor.  Es  wäre  dies  der  herrschenden  Anschauung  gemäß,  wonach  sich
jenem  Gegensätze  nichts  entziehen  könne,  was  nur  überhaupt  erfahrbar
ist;  dies  alles  müßte  entweder  seelisch  oder  sinnlich  sein.  Nun
wäre  es  allerdings  Wahnwitz,  dieser  Scheidung  ihre  fundamentale  Bedeutung ­
  abzusprechen;  die  Einschränkung,  unter  welcher  dieser  Gegensatz ­
  immer  noch  als  ein  ganz  kategorischer  gilt,  wird  sich  uns
auch  bald  ergeben.  In  die  reine,  ungeschmälerte  Anschaulichkeit  des
Erlebens  aber  darf  diese  Scheidung  nicht  hineinreichen.  Sonst  unterschieben ­
  wir  eine  Voraussetzung,  die  mit  den  faktischen  Verhältnissen
unseres  Denkens  nicht  in  Einklang  zu  bringen  ist.  Denn  alles,  was
über  die  pseudo-psychologischen  Aussagen  vom  Typus  A  und  das
ihnen  spezifische  Denken  bisher  zu  sagen  war  und  nun  erst  zu  begründen ­
  sein  wird,  ist  absolut  nur  mit  der  Annahme  vereinbar,  daß
dem  Erlebten  selber,  in  seiner  unberührten  Anschaulichkeit,  die  Scheidung
zwischen  dem  Seelischen  und  dem  Sinnlichen  fremd  bleibt.  Wir
müssen  das  Erlebte  als  das  in  dieser  Hinsicht  noch  Ungeschiedene
ansehen.
Vielleicht  befremdet  es,  wenn  einer  so  lapidaren  Anschauung  gegenüber ­
  mit  bloßen  Gründen  der  Zweckmäßigkeit  argumentiert  wird.  Aber
es  handelt  sich  tatsächlich  nur  um  unsere  Annahmen  über  die  Natur
            
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