Full text : Wirtschaft als Leben

542

„Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

—  ein  ganz  begreifliches  Vorurteil.  Das  noetische  Denken  aber  steht
uns  vom  Leben  her  viel  zu  nahe,  um  so  ohne  weiteres  auch  ihm  gerecht ­
  zu  werden  und  seiner  vollblütig  erfahrungswissenschaftlichen
Natur.  So  bedarf  es  erst  des  ganzen  Aufwandes  dieser  Betrachtungen,
um  auch  diesem  noetischen  Denken  sein  gutes  Recht  zu  wahren.  Im
ganzen  aber  ist  dieses  noetische  Denken  ein  Stiefkind
der  Erkenntnistheorie  geblieben,  ähnlich  wie  das  idiographische
  Denken  ein  Stiefkind  der  Logik.  Nun  kann
man  sich  danach  ungefähr  ausmalen,  welches  theoretische  Verständnis
bisher  jene  Wissenschaften  finden  mußten,  die  noe  tisch  denken,
und  gerade  deshalb  auch  in  der  Hauptsache  idiographisch
  verfahren!  So  betrübend  es  ist,  ebenso  begreiflich
erscheint  es,  daß  man  diese  Wissenschaften,  darunter  auch  unsere,  nur
soweit  als  Wissenschaften  gelten  ließ,  wie  sie  die  glücklichere  Schwester,
die  Naturwissenschaft,  zu  kopieren  suchten.  Das  aber  war,  ist  und  wird
niemals  anders  möglich  sein  als  in  grober  Versündigung  an  ihrer
eigenen  Natur!
Blicken  wir  zurück,  so  war  es  nur  eine  Annäherung  daran,  von
der  phänomenologischen  Denkweise  die  noetische  zu  sondern,  wenn
wir  das  aller  Anschauung  gegenüber  duldsame  Denken  in  der  Aussage
A  entgegensetzten  dem  aller  Anschauung  feindlichen  Denken  in  den
Aussagen  B  und  C;  so  auch,  wenn  wir  in  gleichem  Bezug  das
synthetische  und  das  analytische,  das  beziehend  einsetzende  und  das
unterscheidend  einsetzende  Denken  kontrastierten.  Dies  alles  ist
sekundär  gegenüber  dem  eigentlichen,  grundsätzlichen  Gegensatz  dieser
Denkweisen:  in  ihrem  „Stoffe“.

II.  Der  Stoff  des  noetischen  Denkens.
Das  Dritte  Geschehen.
Alles  begriffliche  Denken  über  die  Wirklichkeit  ist  notwendig  ein
einseitiges.  Denn  nur  ihr  Sinn  und  ihr  Sein  zusammen
machen  die  ganze  Wirklichkeit  aus,  wie  sie  Inhalt  unseres  Bewußtseins ­
  ist,  als  unser  Erlebnis.  Begriffliches  Denken  aber  weiß  sich
dieser  Wirklichkeit  nicht  anders  zu  bemächtigen  als  entweder
ihrem  Sein  oder  ihrem  Sinne  nach.  Darauf,  und  zugleich  auf  die
Freiheit  der  Wahl  zwischen  den  beiden  Denkweisen,  zielt  das  Gleichnis ­
  von  der  „doppelten  Stellungnahme“  unseres  Denkens  zur  Wirklichkeit: ­
  als  ob  diese  etwas  Körperliches  wäre,  das  sich  von  zwei  Seiten
her,  jedesmal  also  einseitig,  beschauen  läßt.  Allein,  welche  sach-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.